Verantwortung für Holocaust: Knesset-Chef kritisiert Österreich

30. September 2014, 16:57
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Edelstein: "Österreich hat nie offiziell volle Verantwortung für Rolle beim Holocaust übernommen"

Wien - Im Vorfeld eines Besuches in Wien läßt Yuli Edelstein, der Vorsitzende der Knesset, des israelischen Parlaments, mit angeblichen Aussagen zu Österreichs Aufarbeitung des Holocaust aufhorchen: Das Online-Portal "Times of Israel" zitiert den Likud-Politiker mit der Aussage, Österreich habe "nie offiziell die volle Verantwortung für seine Rolle beim Holocaust übernommen".

Edelstein hat am Dienstag gemeinsam mit Nationalratspräsidentin Doris Bures einen Kranz am Mahnmal für die österreichischen Opfer der Schoah am Judenplatz niedergelegt und wird im Parlament ebenfalls gemeinsam mit Bures mehrere Österreicher als "Gerechte unter den Völkern" ehren. Diese Auszeichnung wird von einer Kommission unter der Schirmherrschaft der Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem an Personen vergeben, die mit persönlichem Einsatz und unter Gefährdung des eigenen Lebens, oft auch dem ihrer Familien, versucht haben, während des Naziregimes Juden zu retten.

"Botschaft muss bei jüngeren ankommen"

Auf Nachfrage hat Edelstein seine Aussage relativiert: Österreich habe seine Verantwortung erst spät übernommen. "Vor 25 Jahren hat der österreichische Präsident das in Israel getan, viele andere politische Spitzenrepräsentanten haben das getan, einschließlich der Nationalratspräsidentin heute in ihrem Gespräch mit mir - aber lassen sie mich zwei Dinge dazu sagen: Viel mehr muss getan werden, damit diese Botschaft bei der jüngeren Generation ankommt, im Schulsystem und bei der Bevölkerung. Ich habe keinen Zweifel, dass es die Führer ernst meinen, aber unglücklicherweise sehen wir nicht dieselben Anstrengungen wie in einigen anderen Ländern."

Kritik an Außenpolitik

Der Likud-Politiker hat auch Probleme mit der österreichischen Außenpolitik: "Die andere Sache ist - und ich entschuldige mich, falls es sehr ungeschminkt klingt: Jemand, der an Holocaust-Gedenkveranstaltungen teilnimmt und als nächstes einen Ahmadinejad oder einen Hamas-Führer umarmt - ich bin nicht sicher, ob so jemand die Lektionen aus dem Holocaust gelernt hat. Heutzutage jemanden die Hand schütteln, der offen die Vernichtung nicht nur des Staates Israel, sondern alles Jüdischen oder Zionistischen als sein Ziel nennt - ich weiß nicht, ob das das richtige Verständnis für die Lehren aus dem Holocaust ist."

Auch auf wiederholtes Nachfragen wollte Edelstein nicht sagen, auf welche heimischen Politiker er sich bezieht: "Ich spreche über bestimmte Personen in bestimmten Ländern - und im Speziellen spreche ich über einige Personen in diesem Land, die einerseits sehr respektvoll über das Holocaust-Gedenken sprechen, anderseits aber nicht der Meinung sind, dass Leute, die heute ganz offen sagen, dass Israel zerstört werden sollte, keine Partner für eine internationale Zusammenarbeit sein können." (APA, 30.9.2014)

  • Yuli Edelstein hat gemeinsam mit Nationalratspräsidentin Doris Bures einen Kranz am Mahnmal für die österreichischen Opfer der Schoah am Judenplatz niedergelegt.
    foto: apa/neubauer

    Yuli Edelstein hat gemeinsam mit Nationalratspräsidentin Doris Bures einen Kranz am Mahnmal für die österreichischen Opfer der Schoah am Judenplatz niedergelegt.

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