Wie man Jugendliche vor Jihadismus schützen könnte

Userkommentar6. Oktober 2014, 09:41
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Der Anspruch, österreichische Jugendliche vor der Beteiligung an der pervertierten Form des Jihads zu retten, greift zu kurz

Die verfehlte und teilweise nicht vorhandene Integrationspolitik der vergangenen Jahrzehnte ist Ursache für eine erschreckend falsche Meinungshegemonie: die der Ansicht, der Islam sei eine kriegerische Religion. So wurde der Nährboden für die islamfeindliche Politik rechtsradikaler und rechtsextremer Parteien in Europa, in Österreich speziell der FPÖ, aufbereitet.

Jugendliche bekommen mangelnde Akzeptanz zu spüren

Unabhängig von ihren großen Bemühungen bekamen muslimische Jugendliche in Österreich ständig vermittelt, die deutsche Sprache nicht ausreichend zu beherrschen, der falschen Glaubensgemeinschaft anzugehören und aus den falschen Ländern zu kommen. Diese soziale Abgrenzung und die Orientierungslosigkeit, mit der alle Jugendliche in der Persönlichkeitsentwicklung ohnehin schon kämpfen, öffnen salafistischen Fehlinterpretationen des Korans die Türen.

Im Wechselspiel zwischen erlebter Intoleranz und geringen Aussichten auf eine gesicherte Erwerbstätigkeit als Erwachsene gibt so plötzlich eine extremisierte Form der Scharia Halt. Die Radikalisierung zum Jihad - in der zweifelhaften Deutung als Heiliger Krieg statt als Bemühen im Glauben - erscheint Jugendlichen mit geringer religiöser Vorbildung als verfolgenswertes Ziel.

Schnell und sicher helfen

Einerseits müssen also Versäumnisse in der Integration dringend nachgeholt werden.
Andererseits benötigen viele Jugendliche jetzt Aufklärung und Zuwendung in den Schulen, damit sie von Irrwegen abgehalten werden. Weiterbildungsangebote an pädagogischen und theologischen Hochschulen für LehrerInnen sind zwar begrüßenswert, deren Nutzen greifen aber zu kurz und zu spät.

Noch lieber heute als morgen sollten im Koran und den Hadithen firme MuslimInnen und OrientalistInnen in die Schulen. Dort sollten sie den Jugendlichen von den Suren über Toleranz und Religionsfreiheit berichten, von denen IS-SympathisantInnen in den sozialen Netzwerken des Internets und in den privaten Peer-Groups mancher Jugendlichen nicht sprechen.

ZeugInnen der genoziden Massaker der IS sollten in Schulen davon berichten, was sie gesehen und gehört haben. Das kostet etwas. Das müssen wir uns leisten können. Jetzt und unmittelbar. (Johannes Stöckler, derStandard.at, 6.10.2014)

Johannes Stöckler ist Mitglied im Wiener Stadtschulratskollegium und Klubobmann der Grünen Hietzing, ist seit 2007 Musikpädagoge an Wiener Gymnasien; dabei hat er vier Jahre am Islamischen Gymnasium Wien verbracht.

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