Udo-Jürgens-Parade zog statt über den Ring durch die Innenstadt

30. September 2014, 16:14
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Route kurzfristig verlegt

Wien - Das Bademantel-Kollektiv im "Straßenkampf": Udo-Jürgens-Fans haben sich am Dienstagnachmittag vor der Staatsoper versammelt, um ab 14.30 Uhr gemeinsam im Zuge eines Werbeevents von Madame Tussauds den 80. Geburtstags des Entertainers zu feiern. Nach herber Kritik in den Vortagen entschied man sich kurzfristig, doch nicht über den Ring zu marschieren, sondern stattdessen die City zu queren.

"Wir wollten nach der ganzen Diskussion niemanden verärgern - vor allem die Autofahrer nicht - und haben uns deshalb entschlossen, eine Route über die Kärntner Straße und die Rotenturmstraße zu wählen", erklärte Madame-Tussauds-Chefin Arabella Kruschinski. Vom Schwedenplatz ging es dann weiter über die Praterstraße bis zum Riesenrad.

Noch bis heute Vormittag war vorgesehen gewesen, entlang der Ringstraße bis zum Schwedenplatz zu pilgern. Die damit verbundenen (Teil-)Blockaden für den Verkehr hatten seit dem Wochenende für herbe Kritik bis hinauf zu Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) geführt. Die Bundesregierung überlegt nun gar Einschränkungen für künftige "Spaß-Demos".

Route verlegt

Also zog der 150 bis 200 Leute umfassende Tross doch nicht über den Ring, sondern in Absprache mit der Polizei durch die Innenstadt. Die Idee: "Wir gehen mit Udo Jürgens auf die Straße, um einen der größten Entertainer zu ehren und um darum zu kämpfen, dass wieder mehr Lieder von ihm im Radio gespielt werden", umriss Kruschinski den quasi-kulturpolitischen Auftrag. Insofern wolle man die Sache nicht "als reine PR-Aktion" verstanden wissen.

Vor Abmarsch sammelten sich vor der Staatsoper bei prächtigem Herbstwetter die Umzugsteilnehmer. Auf einem Musik-Tuck war das Geburtstagskind selbst zu bewundern - allerdings nur als Wachsfigur am weißen Bösendorfer. Ein ausdauernd hüftenschwingender Moderator mühte sich ab, das - anfangs eher spärlich bebademantelte - Publikum mit hoher Seniorenquote mit mehr oder weniger großem Erfolg zum Massenkaraoke zu animieren.

Mutige konnten sich via A-cappella-Challenge an Hits wie "17 Jahr, blondes Haar", "Mit 66 Jahren" oder "Aber bitte mit Sahne" versuchen und entsprechende Frotteeware abstauben. Ebenfalls auf der improvisierten Bühne sorgte ein sichtbar professionelles Jürgens-Double samt Frack und rotem Stecktuch für stimmliche Unterstützung.

Frau Brigitte war eine von mehreren betagten Damen, die sich - "einmal verrückt sein" - unter die Fan-Gruppe mischten. "Der schreibt Lieder vom Leben", huldigte sie ihrem Star: "Er ist ein toller Mann, ein Frauenliebling." Heiraten würde sie Jürgens aber trotzdem nicht: "Ich hab schon einen Mann."

Die Bademantel-Parade zog aber nicht nur weibliches Publikum an, sondern etwa auch den 66-jährigen, mit Siegelring und Riesengoldkette ausgestatteten Alex. Er sei - wie Jürgens - auch einmal ein Frauenheld gewesen, "aber das hat sich in einem gewissen Alter aufgehört", gestand er. Er sei zwar auch "noch niemals in New York" gewesen, verbringe seine Winter aber immerhin im thailändischen Pattaya. Eines seiner Udo-Lieblingslieder: "Griechischer Wein".

Wenn auch nicht vor Ort gesichtet, gratulierte im Übrigen auch Bundespräsident Heinz Fischer dem Jubilar. "Durch Ihre künstlerische Arbeit als einer der bedeutendsten Unterhaltungsmusiker im deutschen Sprachraum haben Sie unzähligen Menschen Stunden der Freude geschenkt und durch Ihre Tourneen auf der ganzen Welt österreichisches Kulturgut weitergetragen", so das Staatsoberhaupt heute via Aussendung. (APA, 30.9.2014)

  • Bademantelträger für Udo Jürgens.
    foto: epa/helmut fohringer

    Bademantelträger für Udo Jürgens.

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