Schulden: Statistik bringt sprunghaften Anstieg

30. September 2014, 09:09
629 Postings

Der Schuldenstand liegt laut den neuen EU-Regeln im Jahr 2013 bei 81,2 Prozent der Wirtschaftsleistung

Wien – Banken, ÖBB und Gemeindebetriebe treiben Österreichs Schuldenquote hinauf: Eine EU-weite Neuregelung darüber, wie die Staatsschulden zu berechnen sind, hat Österreich einen sprunghaften Anstieg seiner ausstehenden Verbindlichkeiten beschert. Demnach ist die Schuldenquote der Republik 2013 erstmals über die 80-Prozent-Marke geklettert und lag bei genau 81,2 Prozent der Wirtschaftsleistung, des BIP, wie die Statistik Austria am Montagabend bekanntgab. Vor der Revision lag die Quote bei "nur" 72,5 Prozent.

Und es kommt noch schlimmer. Heuer dürfte die Verschuldung Österreichs wegen der Gründung der Bad Bank für die Hypo Alpe Adria noch einmal stark ansteigen: auf rund 86 Prozent.

Durch die neuen Vorgaben der EU-Statistikbehörde Eurostat werden 1400 bisher außerbudgetäre Einheiten, deren Schulden bisher nicht berücksichtigt waren, dem Staat zugerechnet. Ein großer Brocken der zusätzlichen Verbindlichkeiten stammt aus der Neuberechnung der Kosten für die Bankenrettungen in den vergangenen Jahren.

Hier wirkt sich, wie bereits erwartet worden war, vor allem die Kommunalkredit aus: Das Institut musste 2008 notverstaatlicht werden. 2009 wurde entschieden, dass die Verbindlichkeiten der abgespaltete Abbaubank KA Finanz nicht staatsschuldenwirksam werden – ein in Europa bis dahin üblicher Vorgang.

Nun muss die KA Finanz aber eingerechnet werden. Allein im Jahr 2013 erhöhten die Verbindlichkeiten der Abbaubank den Schuldenstand der Republik um 7,2 Milliarden Euro.

Ähnlich dürfte es bei der Hypo laufen: Die Einrechnung der Bad Bank wird den Schuldenstaat zunächst stärker explodieren lassen, als es der Fall wäre, wenn man statistisch auch das Vermögen der Bank berücksichtigen würde. Der Vorteil aus heimischer Sicht: Ab 2015 dürfte die Verschuldensquote wieder zu sinken beginnen, wie Statistik-Austria-Generaldirektor Konrad Pesendorfer bei einem Hintergrundgespräch am Montag erörterte.

Allerdings schlagen in der Statistik nicht nur die Banken durch. Der größte Brocken im Jahr 2013 entfällt auf die ÖBB. Die neu dem Staat zugerechneten Schulden der ÖBB-Infrastruktur und des ÖBB-Personenverkehrs betragen für 2013 insgesamt 10,5 Milliarden Auch die Bundesimmobiliengesellschaft (3,8 Milliarden), die Holdinggesellschaften (zwei Milliarden Euro) sowie die Wiener Linien und die Krankenanstalten mit je 500 Millionen Euro heben den Schuldenstand noch einmal an.

Zwei gute Nachrichten zum Schluss: Im Zuge der statistischen Neuberechnung stieg auch das BIP. Wie die Statistik Austria bereits in der vergangenen Woche bekanntgab, erhöhte sich die Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr demnach um 9,5 Milliarden Euro auf 322,6 Milliarden. Zudem finanziert sich Österreich an den Kapitalmärkten derzeit zu rekordverdächtig niedrigen Zinsen. (András Szigetvari, derStandard.at, 30.9.2014)

  • Die offizielle Staatsschuld Österreichs ist durch statistische Änderungen deutlich größer geworden.
    foto: apa/fohringer

    Die offizielle Staatsschuld Österreichs ist durch statistische Änderungen deutlich größer geworden.

Share if you care.