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Illustrierte Ziegelmauer im Bagdader Nationalmuseum.

Foto: AP Photo/Hadi Mizban

Paris - Die Unesco hat die Zerstörung von Kulturgütern in den von der Jihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) kontrollierten Gebieten im Irak angeprangert. Die Chefin der UN-Organisation, Irina Bokowa, sprach am Montag bei einem Expertentreffen in Paris von einer "kulturellen Säuberung" durch die Islamisten.

Die Extremisten hätten Schreine, Kirchen und wertvolle Manuskripte in Mossul, Tikrit und anderen Städten und Regionen zerstört. Die IS-Miliz vertritt eine radikal-sunnitische Islamauslegung. Die Verehrung von Monumenten wie Schreinen ist nach der Auffassung der Extremisten Götzendienst, ihre Zerstörung aus Sicht der Jihadisten daher legitim. Im Juli sprengten IS-Kämpfer in Mossul den Schrein Nabi Yunus, der von Muslimen und Christen als Grab des Propheten Jonah verehrt wurde.

Assyrische Kunstwerke

Der Direktor des Nationalmuseums in Bagdad, Kais Rashid, beklagte in Paris die Zerstörung von antiken Gebäuden, deren Bau bis in die Zeit der Assyrer zurückreiche. Gestohlene assyrische Kunstwerke tauchten zudem mitunter in Europa auf, warnte Rashid. Die internationale Mafia informiere die Jihadisten über verkaufbare Kunstschätze. Die IS-Miliz finanziert sich unter anderem durch den Schwarzhandel mit Öl und Kunstschätzen.

Die irakischen Behörden könnten derzeit nicht viel mehr tun, als die Zerstörungen und Plünderungen zu erfassen. "Wir müssen warten und alles tun, um sie (die Kunstschätze) zurückzuholen", sagte Rashid. Als Beispiele für Zerstörungen in jüngster Zeit nannte der Kunstexperte Angriffe auf das Museum in Mossul, das zweitwichtigste im Irak, und die öffentliche Verbrennung von rund 1500 Handschriften aus Klöstern und anderen heiligen Stätten.

Laut Bukowa wurden alle Unesco-Mitgliedstaaten und alle großen Museen weltweit sowie der internationale Kunstmarkt, die internationale Polizeibehörde Interpol und die Welthandelsorganisation (WTO) zu höchster Vorsicht mit Blick auf Objekte aufgefordert, die von Plünderungen stammen könnten. Die Unesco informierte zudem die an den US-geführten Luftangriffen gegen IS beteiligten Länder über die geografische Lage aller wichtigen Kulturstätten im Irak, um weitere Schäden zu verhindern.

Peschmerga-Offensive

Kurdische Truppen haben unterdessen am Dienstag nach eigenen Angaben eine Offensive gegen die IS-Miliz im Nordirak gestartet. Im Morgengrauen seien Kämpfer an drei Fronten vorgerückt. Ins Visier genommen wurden IS-Stellungen nördlich der Islamistenhochburg Mossul, in einer Stadt an der Grenze zu Syrien sowie südlich der für das Ölgeschäft strategisch wichtigen Stadt Kirkuk. Vier Dörfer sollen die kurdischen Truppen dabei zurückerobert haben, wie die irakische Nachrichtenseite Al-Sumaria am Dienstag unter Berufung auf einen kurdischen Offizier berichtete. (APA, 30.9.2014)