Bomben zu Ghanis Amtsantritt in Afghanistan

29. September 2014, 18:04
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Präsident wollte schnellstmöglich Sicherheitsabkommen mit USA unterzeichnen

Kabul/Neu-Delhi - Es war ein historischer Moment, als Ashraf Ghani vor 1400 geladenen Würdenträgern in Kabul feierlich den Amtseid ablegte. Erstmals in seiner wechselvollen, oft blutigen Geschichte erlebte Afghanistan einen demokratischen Machtwechsel. Der Ex-Weltbank-Ökonom Ghani ist seit Montag neuer Präsident des Landes und Nachfolger von Hamid Karsai, der nach 13 Jahren nicht mehr kandidierte.

Der 65-Jährige führt eine "Regierung der nationalen Einheit" mit seinem bisherigen Rivalen Abdullah Abdullah, der nur Momente später als "Geschäftsführer" angelobt wurde - ein Amt, das die Verfassung bisher nicht vorsieht. Dem Regierungswechsel war ein monatelanger Machtkampf um Wahlfälschungen vorausgegangen. Erst auf massiven Druck des Westens überließ Abdullah Ghani den Wahlsieg, obwohl Zweifel am Ergebnis blieben.

Gemeinsam sollen die beiden Männer nun das Land regieren. Der vor allem von US-Außenminister John Kerry eingefädelte Deal gilt als politisches Wagnis. Ghani, Vater zweier Kinder, übernimmt das Ruder in stürmischer Zeit. Wenn Ende 2014 die meisten Nato-Truppen abziehen, muss Afghanistan die Taliban weitgehend allein unter Kontrolle halten. Kabul wird dabei weiter von westlicher Hilfe abhängen. Ghani will morgen, Dienstag, das bilaterale Sicherheitsabkommen mit USA und Nato unterzeichnen, das den Folgeeinsatz von Soldaten regelt.

Große Erwartungen

Auf dem Präsidenten lasten große Hoffnungen. Die Menschen erwarten, dass er die Wirtschaft ankurbelt und die Taliban aufhält. In seiner Rede bot Ghani den Militanten Gespräche an. Die antworteten mit Anschlägen, bei denen mehrere Menschen starben.

Ghani gilt als effizienter Technokrat, aber auch als aufbrausend und rechthaberisch. 1977 hatte er Afghanistan verlassen, um im Ausland Karriere zu machen, erst nach 24 Jahren kehrte er 2001 als US-Berater zurück. Als größter Trumpf gilt seine Finanzkompetenz. So war Ghani von 2002 bis 2004 Finanzminister in der Karsai-Regierung. Wie Karsai ist er als Paschtune Mitglied der größten Volksgruppe. (Christine Möllhoff, DER STANDARD, 30.9.2014)

  • Afghanistans neuer Präsident Ghani nach der Angelobung.
    foto: reuters/omar sobhani

    Afghanistans neuer Präsident Ghani nach der Angelobung.

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