Korneuburger Grundwasser: Prozess um Verunreinigung

29. September 2014, 17:38
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Sechs leitende Angestellte eines Pflanzenschutzmittelherstellers angeklagt

Korneuburg - Die vor zwei Jahren bekannt gewordene Grundwasserverunreinigung im Raum Korneuburg hat ein gerichtliches Nachspiel: Die Staatsanwaltschaft Korneuburg hat gegen sechs leitende Angestellte der Firma Kwizda Agro GesmbH Strafantrag wegen teils fahrlässiger bzw. teils vorsätzlicher Beeinträchtigung der Umwelt erhoben. Der Prozess dürfte Ende November, Anfang Dezember stattfinden.

Ein genauer Termin stehe noch nicht fest, teilte Gernot Braitenberg, Mediensprecher des Landesgerichts, am Montag mit. Weiters sah die Staatsanwaltschaft eine Verantwortlichkeit der Firma, Hersteller von Pflanzenschutzmitteln, und beantragte daher die Verhängung einer Verbandsgeldbuße.

Gefahr für das Bienenvorkommen

Den Beschuldigten wird vorgeworfen, zumindest von 2005 an entgegen einer Rechtsvorschrift und Auflagen von Bescheiden der Bezirkshauptmannschaft das Grundwasser so verunreinigt zu haben, dass eine Gefahr für das Bienenvorkommen im Großraum Korneuburg entstand. Zudem habe sich der Zustand eines Gewässers verschlechtert, der Aufwand für die Schadensbeseitigung beim Brunnenfeld Bisamberg betrug nach Gerichtsangaben 7,314 Millionen Euro.

Laut dem Strafantrag wiesen die Abwasserbecken, Kanäle und Rohre keine ausreichende Beschichtung auf und wurden weder regelmäßig auf ihre Dichtheit überprüft noch instand gehalten bzw. erneuert. Dadurch habe über lange Zeit mit Pestiziden kontaminiertes Abwasser ins Grundwasser gelangen können.

Clopyralid im Grundwasser

Erläutert wurde auch der Strafrahmen für die angeklagten Delikte: Fahrlässige Beeinträchtigung der Umwelt ist mit einer Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder einer Geldstrafe bis 360 Tagessätze bedroht, auf Vorsätzlichkeit stehen sechs Monate bis fünf Jahre.

Nach der Feststellung von Clopyralid im Grundwasser im Einzugsbereich des Werks in Leobendorf hatte das Unternehmen erklärt, Sanierungsmaßnahmen zu setzen. Behördlicherseits wurde damals versichert, dass das Leitungswasser unbedenklich sei, und ein Sanierungskonzept erarbeitet, das u.a. Aktivkohlereinigungsanlagen vorsah.

Um eine weitere Ausbreitung des verunreinigten Grundwassers in Richtung Langenzersdorf einzuschränken, ordnete die Bezirkshauptmannschaft an, Grundwasser im Bereich des Kraftwerks Korneuburg abzupumpen und in die Donau einzuleiten. Eine Gefährdung des Flusses sei aufgrund der hohen Verdünnung des Wassers auszuschließen, wurde mehrmals betont, als diese Maßnahme u.a. von den Wiener Grünen und Global 2000 heftig kritisiert wurde. (APA, 29.9.2014)

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