Odeon: Mambo in der Nervenheilanstalt

29. September 2014, 17:25
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Von klassisch bis New Dance präsentierten sich die jungen Choreografen des Wiener Staatsballetts

Wien - Es ist eine gute Sache, die der Ballettclub der Wiener Staatsoper und Volksoper seit gut zehn Jahren auf die Beine stellt. In der Projektreihe "choreo.lab", die sich seit der Direktion von Manuel Legris "Junge Choreographen des Wiener Staatsballetts" nennt, können Nachwuchstalente beider Häuser eigene Choreografien zeigen.

Richtiges Ballett gab es im Odeon, wo die jungen Choreografen gestern und vorgestern gastierten, nur zu Beginn - und es kam ganz ohne Spitzentanz aus. Volksoperntänzer Samuel Colombet kreierte mit Klavier Konzert zur Musik von Sergej Rachmaninov eine neoklassische Folge, stimmig und schön getanzt von Solistin Ioanna Avraam, Suzanne Kertész, Keisuke Nejime, Géraud Wielick, Francesco Costa und Mila Schmidt.

Ein Bruch gleich im nächsten Stück, The Fall von Staatsoperntänzer Attila Bakó. Der Neochoreograf mit Potenzial gestaltete zu Musik von Michael Nyman, Philip Glass und Kanye West ein choreografisch anspruchsvolles Trio unter Verzicht auf jedes klassische Vokabular. Kurzfristig musste Céline Janou Weder für die verletzte Clara Soley einspringen, wodurch vielleicht etwas von der Eindringlichkeit verlorenging.

Dem programmatischen Titel Miracle Happens konnte Volksoperntänzerin Ekaterina Fitzka leider nicht gerecht werden. Zur Musik von Antonio Vivaldi und in prätentiösen Kostümen legte sie an der Seite von Natalie Salazar, Andrés Garcia-Torres und Keisuke Nejime einen Showtanz hin, der eher an Fernseh-Balletteinlagen früherer Zeiten erinnerte.

Showcharakter ganz anderer Art hatte Double Date von Staatsoperntänzer Trevor Hayden. Skurrile Mambo- und Tangoschritte von Gala Jovanovic, Emilie Drexler, Ryan Booth und Keisuke Nejime sorgten für viel Gelächter im Publikum. Köstlich auch das Schlussbild: alle vier an einem Tisch sitzend und nur mit Armen und Händen agierend. Die von einer Videokamera von oben gefilmten und an die Wand projizierten Aufnahmen ergaben eine wirklich komische Verdopplung.

Bewegungsvokabular

Manchen Jungen wie Andrey Kaydanovsky und Eno Peci gelang bereits der Sprung auf die große Bühne. Von Kaydanovsky gab es Love Song zu sehen: er selbst, András Lukács und Mila Schmidt boten eine absurde Dreieckskonstellation. Das Bewegungsvokabular war auschließlich zeitgenössisch, die klassisch ausgebildeten Tänzer bewältigten diesen Stil souverän. Kaydanovsky ist ein theatraler Choreograf mit sicherem Gespür für Tempo und Timing.

Auch Solist Eno Peci choreografierte bereits jenseits der Klassik. Diesmal schuf der hervorragende Tänzer Pavillon 12/2, ein in der Nervenheilanstalt angesiedeltes Stück: inhaltlich etwas klischeehaft und mehr Klamauk als tänzerisch ausgelotete Milieustudie, aber manche Passagen sind gut gelungen. Vor allem mit der charismatischen Volksopern-Tänzerin Rebecca Horner hatte er eine ausgezeichnete Interpretin an der Seite. (Barbara Freitag, DER STANDARD, 30.9.2014)

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