Sparen beim Bundesheer: Länderverteidigung

Kommentar29. September 2014, 17:51
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Klein-Garnisonen sind extrem ineffizient

Dem Tiroler Landeshauptmann, der im schönen Städtchen Zams daheim ist, die Pontlatz-Kaserne quasi vor der Nase zusperren zu wollen, würde auch dann als Provokation aufgefasst werden, wenn Günther Platter nicht ein Vorgänger von Verteidigungsminister Gerald Klug gewesen wäre. Umso mehr wird sich Platter wehren - und mit ihm die Landes- und Gemeindepolitik; der zuständige Bürgermeister hat schon protestiert.

Dass in der Pontlatz-Kaserne nur zwei Kompanien stationiert sind (der restliche Teil des Jägerbataillons 23 liegt jenseits des Arlbergs in Bludesch) und diese Klein-Garnisonen extrem ineffizient sind, kratzt Lokalpolitiker nicht - nicht in Tirol, nicht in Vorarlberg und auch nicht im Burgenland. Dessen Landeshauptmann Hans Niessl erklärt allen Ernstes: "Die wichtigste Aufgabe ist eine Katastrophen-Hilfsgarantie des Österreichischen Bundesheers gegenüber der Republik Österreich und dem Burgenland."

Und rechnet flugs die Kosten der Luftraumüberwachung gegen die Kosten der Militärmusik auf, der er lieber lauscht als dem Dröhnen der Eurofighter. Die Verfassung weist der Landesverteidigung aber andere Inhalte zu: "Ihre Aufgabe ist es, die Unabhängigkeit nach außen sowie die Unverletzlichkeit und Einheit des Bundesgebietes zu bewahren, insbesondere zur Aufrechterhaltung und Verteidigung der immerwährenden Neutralität." Von einer Verteidigung der teuren Länderinteressen steht da aus gutem Grund nichts. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 30.9.2014)

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