Heeres-Sparpläne: Ohne Geld ka Musi

29. September 2014, 17:50
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Die Schließungspläne des Bundesheeres sorgen in den betroffenen Bundesländern für erhebliche Aufregung. Jetzt fordern die Landeshauptleute mehr Budget für das Heer - sonst fallen Konzerte aus

Wien - Wenn's um die Militärmusik geht, dann ist mit Burgenlands Landeshauptmann Hans Niessl nicht zu spaßen: Montag lud er seinen Parteifreund und Verteidigungsminister Gerald Klug zu sich nach Eisenstadt und verlangte die Erhaltung der Militärmusikkapelle. Am Mittwoch, wenn Klug ("auf eigenen Wunsch", wie versichert wird) den Niederösterreicher Erwin Pröll trifft, wird er dasselbe zu hören bekommen.

Tatsache ist: Die Militärmusiken gehören zur Traditionspflege - und wenn ihre Abschaffung (wie schon vor zehn Jahren im Rahmen des Programms "ÖBH 2010" der Zilk-Kommission) diskutiert wird, hagelt es Proteste.

Seinerzeit versprachen die Landeshauptleute immerhin, die Kosten für neue Musikinstrumente zu übernehmen - nach Erinnerungen eines Ministeriumssprechers kam es allerdings nur zu zwei derartigen Ankäufen. Für die Verteidigung ist die Musik längst funktionslos geworden - Trommelwirbel und Trompetensignale sind moderneren Kommunikationsmitteln gewichen - argumentiert wird der Fortbestand vor allem mit wehrpolitischer Werbung.

Dafür aber dürfte im jetzigen Budget (dessen geringen Umfang Niessl dem ehemaligen Finanzminister Michael Spindelegger anlastet) kein Geld vorhanden sein.

Unwirtschaftliche Kleinst-Garnisonen

Ähnlich ist das bei den kleinen Kasernen, um deren Fortbestand sich mehrere Landeshauptleute Sorgen machen. Militärisch machen diese Kasernen längst keinen Sinn mehr - ein Verteidigungsfall, bei dem die Garnison in Landeck irgendeine Rolle spielen würde, ist schlicht undenkbar. Auch im Katastrophenfall könne eine Kaserne, in der womöglich nur ein "Überbrückungskontingent" (also keine auszubildende Truppe) stationiert ist, nichts Wesentliches leisten, versichert ein erfahrener Truppenoffizier - Soldaten würden überdies nicht als Ersthelfer eingesetzt, daher könnten sie auch aus einer größeren Kaserne von weiter her zum Einsatz kommen.

Im normalen Dienstbetrieb ist so eine Kleinst-Kaserne extrem unwirtschaftlich. In der Pontlatz-Kaserne in Landeck liegen nur die 2. Jägerkompanie (hochgebirgsbeweglich mit einem Jägerzug als Kaderpräsenzeinheit), sowie die 3. Jägerkompanie und das Kommando des Jägerbataillons 23, dessen restliche Teile (Stabskompanie, Kapfunterstützungskompanie und 1. Jägerkompanie, gebirgsbeweglich mit einem Panzerabwehrlenkwaffen-Zug als Kaderpräsenzeinheit) in der Walgau-Kaserne im 73 Kilometer entfernten Bludesch stationiert sind. Beide Kasernen brauchen aber eigene Infrastruktur. eigene Energieversorgung und eigene Wachen.

Die Sorge der Lokalpolitik: Sperrt so eine Kaserne zu, entgehen der örtlichen Wirtschaft Umsätze - und die Kadersoldaten müssen womöglich anderswohin übersiedeln.

Sorge um Militärgymnasium

Besorgnis löste auch die Meldung des Standard aus, dass das Militärrealgymnasium in Wiener Neustadt geschlossen werden könnte. Der niederösterreichische Landtag hat bereits 2011 in einer Resolution die Erhaltung der Schule gefordert, Elternvertreter sind verunsichert, ob die Motivation der derzeitigen Schüler erhalten bleibe, wenn keine neuen Jahrgänge mehr zugelassen werden.

Im Ministerium aber wird die Schließung der Schule zumindest als Möglichkeit erörtert: "Als 'Kaderschmiede' ist dieses Gymnasium nicht mehr notwendig - die Absolventen könnten ja, selbst wenn sie wollten, gar nicht alle an der Militärakademie aufgenommen werden, die nimmt ja nur noch 25 Fähnriche auf", sagt ein Offizier, der seinen Namen nicht im Standard lesen will. (Conrad Seidl, DER STANDARD, 30.9.2014)

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    foto: cremer
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