Hohe Wellen schlagen in Pink

29. September 2014, 16:54
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Erstmals seit 13 Jahren segelt wieder ein reines Frauenboot beim Volvo Ocean Race. Die Regeländerungen bei der Hochseeregatta, die am Samstag in Alicante beginnt, eröffnen diesem Team bessere Chancen als den Vorseglerinnen

Alicante/Wien – "Es gibt keine Entschuldigung", sagt Abby Ehler, "wir haben das Material und die nötige Unterstützung, um erfolgreich zu sein."

Ehler (38), Britin, segelt ab Samstag mit dem Team SCA zum zweiten Mal beim Volvo Ocean Race, zum zweiten Mal für ein reines Frauenteam. 2001/02 war die Crew von Amer Sports Too nicht wirklich konkurrenzfähig.

foto: team sca
Für ein Selfie muss immer Zeit sein.

2001/02 war auch das letzte Mal, als ein reines Frauenboot die Hochseeregatta in Angriff genommen hatte. Es landete damals abgeschlagen auf dem achten und letzten Platz. Das Team SCA hat heuer deutlich bessere Voraussetzungen. Als eines von sieben Booten nimmt das unter schwedischer Flagge segelnde Team die zwölfte Auflage des Klassikers in Angriff.

Die Regeländerungen kommen der Frauen-Crew, die sich zwei Jahre lang auf die Regatta vorbereitet hat, entgegen. Erstmals wird sie in einer Einheitsklasse – der Volvo-Ocean-65-Klasse – ausgetragen. Alle Yachten sind identisch – kleiner, leichter und schneller als die Vorgängermodelle. Bei vergangenen Auflagen entwickelten die Teams individuelle Boote im Rahmen des Reglements. Die Entscheidung für die Einheitsklasse fiel aus Kosten-, aber auch aus Sicherheitsgründen. In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Materialschäden.

"Das ist eine große Chance für das Frauensegeln", sagt Sam Davies. Die 40-jährige Britin ist die Skipperin der SCA-Yacht. Der Startschuss erfolgt am Samstag in der spanischen Hafenstadt Alicante. Mit knapp 40.000 Seemeilen ist es das bisher längste Rennen in der 41-jährigen Geschichte der Regatta.

foto: team sca
Die Arbeit an Board ist nichts für Wasserscheue.

Das Team Abu Dhabi Ocean Race gilt als Favorit. Team SCA will überraschen. Jedenfalls wird es im Wasser auffallen. In knalligem Pink ist das Boot gehalten. Der schwedische Großkonzern SCA, der als Hersteller von Hygieneprodukten auch in Österreich tätig ist, sponsert das Projekt. "Ich freue mich riesig, Teil davon zu sein", sagt Carolijn Brouwer. Wie Ehler gehörte auch die 41-jährige Niederländerin schon vor 13 Jahren der Frauen-Crew von Amer Sports Too an.

1989/90 war in dem Team Maiden mit Steuerfrau Tracy Edwards erstmals ein rein weibliches Team bei der Hochseeregatta am Start. Für Knut Frostad, den Chef des Volvo Ocean Race, ist es höchste Zeit, dass wieder ein Frauenteam mitsegelt. "50 Prozent der Bevölkerung haben wir zu lange nicht repräsentiert. Das ist eine große Sache." Für Skipperin Davies sowieso: "Ich glaube wirklich, dass wir die Chance haben, einige großartige Ergebnisse zu erzielen." Davies, quasi eine echte Seebärin, ist im Frauensegeln eine große Nummer. 2008/09 war sie nach etwas mehr als 95 Tagen auf See Vierte der Soloweltumsegelung Vendeé Globe. (rie; DER STANDARD, 29.9.2014)

team sca

Wissen

Das Volvo Ocean Race, das vor der Jahrtausendwende und dem Wechsel des Hauptsponsors unter dem Namen Whitbread Round the World Race firmierte, wird seit 1973 im Vierjahres- respektive seit 2006 im Dreijahresrhythmus ausgetragen. Die Weltumsegelung erfolgt in Etappen. Die zwölfte Auflage startet am 4. Oktober in Alicante und endet am 27. Juni 2015 in Göteborg mit jeweils einem sogenannten In-Port-Race. Dazwischen liegen neun Etappen über insgesamt 39.895 nautische Meilen, also rund 73.885 Kilometer, sowie weitere In-Port-Races. In der Vergangenheit ging es die um Zeit, mittlerweile wird nach Punkten abgerechnet.

Etappen: Alicante-Kapstadt, Kapstadt-Abu Dhabi, Abu Dhabi-Sanya (China), Sanya-Auckland, Auckland- Itajai (Brasilien), Itajai-Newport (USA), Newport-Lissabon, Lissabon-Lorient, Lorient-Den Haag. (red)

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