Zahl der Toten nach Vulkanausbruch in Japan auf 36 gestiegen

30. September 2014, 06:43
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Suche wegen wachsender Gefahr für Helfer unterbrochen - Mehrere Wanderer werden noch vermisst

Tokio - Zunehmende Beben und schlechtes Wetter haben am Dienstag die Bergungsarbeiten am ausgebrochenen Vulkan Ontake-san in Japan blockiert. Die Erschütterungen unter dem 3.067 Meter hohen Berg hätten seit den Morgenstunden (Ortszeit) zugenommen, sagte ein Vertreter der nationalen Meteorologischen Behörde am Dienstag.

Kaum hatten die etwa 850 Polizisten, Feuerwehrmänner und Soldaten ihren am Vortag wegen giftiger Gase abgebrochenen Bergungs- und Sucheinsatz fortgesetzt, mussten sie sich erneut zurückziehen. Bisher wurden zwölf Leichen mit Helikoptern vom Gipfel geholt werden. Mindestens 24 weitere Opfer liegen noch immer leblos auf dem von Aschemassen bedeckten Vulkan.

Einige Wanderer gelten weiterhin als vermisst, darunter ein elfjähriges Mädchen. Sobald sich die Bedingungen verbesserten, könnten Einsatzkräfte an Bord eines Militärhelikopters erneut zum Gipfel des Berges gebracht werden, hieß es. Für den Ontake-san gilt weiter die Warnstufe drei auf einer Skala von fünf. Damit bleiben die Zufahrtswege zum Berg und das ihn umgebende Gebiet weiter gesperrt. Die Meteorologische Behörde warnte für den Umkreis von vier Kilometern vor der Gefahr, dass der Vulkan große Felsbrocken ausspucken könnte.

Ein Meter große Felsbrocken

Am Montag fanden die Sucheinheiten fünf Leichen, bevor sie aufgrund der Konzentration an giftigen Schwefelgasen in der Luft gezwungen waren, ihre Arbeit abzubrechen. Hubschrauber unterstützten die Suche aus der Luft. Erst nach Stunden gaben sie auf, weil die Situation wie schon am Sonntag für sie selbst zu gefährlich wurde.

"Ich sah bis zu einen Meter große Lava- und Felsbrocken, die offenbar bei dem Ausbruch durch die Luft geschleudert worden waren", berichtete ein Armeevertreter. Nach seinen Angaben müssen sich die Helfer immer wieder durch Asche- und Geröllhaufen graben - zusätzlich behindert von ihren Helmen, Schutzbrillen, Schutzwesten und Atemmasken.

Der Ontake-san war Samstagmittag ohne Vorwarnung ausgebrochen. Hunderte Wanderer, die von seinem Gipfel aus die spektakuläre Aussicht zum Herbstanfang genießen wollten, wurden von einem plötzlichen Asche- und Steinregen überrascht. Die meisten konnten sich gerade noch in die umliegenden Schutzhütten retten oder ins Tal hinabsteigen, 60 wurden laut den Behörden verletzt. Wie viele Wanderer insgesamt den Ausbruch nicht überlebten, blieb am Montag unklar.

Qualvolles Warten der Angehörigen

Für die Angehörigen der auf dem Gipfel zurückgebliebenen Opfer wurde das lange Warten zur Qual. Eltern und Freunde fanden sich in Orten am Fuße des Berges ein, darunter auch die Eltern des vermissten elfjährigen Mädchens. Sie seien vollkommen erschöpft, glaubten aber weiter fest daran, dass ihre Tochter lebe, sagte der stellvertretende Leiter der Schule des Mädchens einem Reporter. "Wir hoffen nur, dass sie heil wieder zurückkommt." Ein Vater, der seinen 26-jährigen Sohn ebenfalls vermisst, brach vor laufenden Kameras weinend zusammen.

Immer wieder schilderten Überlebende die dramatischen Minuten nach der Eruption. "Wir mussten uns durch knietiefe Asche pflügen, zwei Leute vor mir scheinen es nicht geschafft zu haben", berichtete eine Frau dem Sendernetz Asahi. Einer der Mitarbeiter der Schutzhütten, Seiichi Sakurai, versuchte so vielen Wanderern wie möglich zu helfen - und schaffte es nicht immer: "Immer wieder ging Asche nieder. Einige wurden von ihr lebendig begraben, aber ich konnte nichts für sie tun - außer den Bergungskräften per Funk Bescheid zu geben", sagte er dem Sender NHK.

Ein weiterer Überlebender trauerte um einen Buben, der noch aufgeschrien hatte: "Ich kann nicht mehr atmen", bevor er von einer Aschewolke verschluckt wurde. Für die Angehörigen der Vermissten ging unterdessen die quälende Ungewissheit weiter. Eine ältere Frau hatte kurz nach dem Ausbruch noch ihren Sohn am Telefon: "Er sagte mir: 'Es ist vorbei, ich sterbe', dann brach die Verbindung ab", berichtete sie dem Sendernetz Asahi.

Letzter Ausbruch liegt 30 Jahre zurück

Der Ontake-san gehört zu Japans knapp 110 aktiven Vulkanen, sein letzter großer Ausbruch liegt 35 Jahre zurück. Nach Angaben von Toshitsugu Fujii, einem Vulkanologen des japanischen Wetterdienstes, sind plötzliche Dampfexplosionen wie jetzt beim Ontake-san immer wieder möglich: "Die Leute werfen uns vor, wir hätten dies wegen der Erdbeben im September vorhersehen müssen. Doch sind wir da machtlos, unser Wissen ist nun einmal begrenzt", sagte er.

Bei einer Wasserdampfexplosion wird Grundwasser im Berg von Magma erhitzt und schießt plötzlich aus dem Vulkan heraus. Diese Art von Explosionen vorherzusagen ist grundsätzlich schwierig. Zwar hatte die Meteorologische Behörde seit etwa Mitte des Monats vermehrte vulkanische Beben am Gipfel des Ontake-san registriert, was den umliegenden Gemeinden auch mitgeteilt wurde, wie der TV-Sender NHK meldete. Allerdings seien keine auffallenden Bewegungen der Erdkruste festgestellt worden. Als Warnstufe galt weiter die unterste Stufe. (APA/AFP, 29./30.9.2014)

  • Der Vulkan Ontake-san ist nach 30 Jahren wieder ausgebrochen.
    foto: ap/the japan ground self-defense force

    Der Vulkan Ontake-san ist nach 30 Jahren wieder ausgebrochen.

  • Die Suche nach 60 vermissten Wanderern läuft auf Hochtouren.
    foto: ap photo/kyodo news

    Die Suche nach 60 vermissten Wanderern läuft auf Hochtouren.

  • Diese Art von Explosionen vorherzusagen ist grundsätzlich schwierig, sagen Meteorologen.
    foto: ap photo/kyodo news

    Diese Art von Explosionen vorherzusagen ist grundsätzlich schwierig, sagen Meteorologen.

  • Artikelbild
    foto: epa/ministry of land, infrastructure, transport, tourism
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