Heuer gibt es weniger Wein

29. September 2014, 17:15
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Nasses Wetter führte zu starkem Fäulnisbefall, der Aufwand beim Lesen ist enorm, betroffen sind alle österreichischen Weinbaugebiete

Wien - Wegen des verregneten, kalten Septembers kommt es zu einer Korrektur bei den bisher recht optimistischen Weinernteprognosen, und zwar nach unten: Statt der erwarteten 2,5 Millionen Hektoliter Wein wird es "deutlich weniger" geben, heißt es aus der Landwirtschaftskammer. Um wie viel genau, kann noch nicht gesagt werden, so Josef Glatt. Allerdings wird in der Branche von maximal 2,2 Millionen Hektoliter Wein gesprochen - dies wäre ein im langjährigen Schnitt unterdurchschnittliches Mengenergebnis.

Betroffen sind alle österreichischen Weinbaugebiete - wie übrigens überall in Mitteleuropa. Der viele Regen während des Sommers und besonders in der ersten Septemberhälfte - Stichwort Italientief - hat dazu geführt, dass viele Trauben von Fäulnis befallen sind.

"Das erhöht den Aufwand beim Lesen enorm", erläutert Glatt. Denn bei der Weinernte müssen die Trauben von den faulen Teilen befreit werden. Besonders umsichtige Winzer haben sogar damit begonnen, eine "Zwischenlese" zu machen. Dabei werden die Trauben so ausgeputzt, dass nur die guten Teile am Stock bleiben.

Mit einer solch umsichtigen Pflege ist es durchaus möglich, dass die Qualitäten gut bis sehr gut ausfallen. Doch liegt bei bereits geernteten Sorten - etwa Müller Thurgau, Frühroter Veltliner, Neuburger - der Zuckergehalt deutlich unter dem vergangener Jahre, so die Österreich Weinmarketing. Der Blaue Zweigelt wurde im Burgenland "mit zufriedenstellender Reife" geerntet.

Bei den Sorten, bei denen die Lese erst ansteht, wird darauf gehofft, dass es noch ein paar ordentliche Sonnenstunden und damit höhere Zuckergrade gibt. Dies betrifft vor allem den Grünen Veltliner. Zu warm darf es aber nicht werden - dies würde den Fäulnisprozess beschleunigen. (Johanna Ruzicka, DER STANDARD, 30.9.2014)

  • In mehreren Durchgängen müssen heuer die Weintrauben geerntet werden. Der Grund: Fäulnis wegen des vielen Regens.
    foto: apa/jan woitas

    In mehreren Durchgängen müssen heuer die Weintrauben geerntet werden. Der Grund: Fäulnis wegen des vielen Regens.

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