Europol: Cyber-Kriminalität immer größeres Problem

29. September 2014, 12:34
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EU-Polizeibehörde warnt vor "Internet der Dinge" - "EU bleibt Hauptziel"

Die Cyber-Kriminalität wird nach Einschätzung der EU-Polizeibehörde Europol zu einem immer größeren Problem. "Trends deuten auf einen beträchtlichen Anstieg im Umfang, in der Verfeinerung, in Anzahl und Arten der Angriffe, Zahlen der Opfer und wirtschaftlichen Schaden", heißt es in einem am Montag veröffentlichten Bericht des Europol-Cybercrime-Zentrums.

Zunahme

Es gebe zwar keine zuverlässigen Zahlen, doch "im Allgemeinen nimmt Cyber-Kriminalität zu in Umfang und Auswirkung", heißt es in dem Bericht. Zwei wichtige Faktoren würden dies unterstreichen: Zum einen entwickle sich die Internet-Kriminalität immer mehr zu einem serviceorientierten "Businessmodell" innerhalb der kriminellen Szene. Traditionelle Mafiagruppen kauften diese Dienste für ihre Zwecke zu. Zum anderen könnten Cyber-Kriminelle Anonymisierung, Verschlüsselung und virtuelle Währungen immer stärker für ihre Zwecke missbrauchen.

Sogenannte "Darknets" - die verborgenen Seiten des Internet - würden missbraucht für den illegalen Handel von Drogen, Waffen, Diebesgut, gestohlenen ID- und Zahlungskarten, gefälschten Dokumenten und Kinderpornografie, heißt es in dem Report weiter. Dabei würden die Kriminellen vorrangig in Ländern außerhalb der rechtlichen Zuständigkeit der EU operieren, was ihnen erlaube, ihre Verbrechen mit einem minimalen Risiko durchzuführen.

Internet of Things als Angriffsfläche

Weltweit haben nach Schätzungen von Europol etwa 2,8 Milliarden Menschen Zugang zum Internet. Das Aufkommen eines "Internets der Dinge", in dem immer mehr Endgeräte online verbunden sind, "schafft eine breitere Angriffsfläche", warnt die EU-Polizeibehörde. Die Sicherheit am Ende der Verbindung werde damit immer wichtiger. Durch die weitere Verbreitung des Internet auch über mobile Endgeräte seien in Zukunft noch mehr Attacken aus bisher schlecht angebundenen Gebieten zu erwarten.

Mehr Bewusstseisbildung gefordert

"Die EU wird ein Hauptziel für Cyber-Kriminalität bleiben, wegen ihres relativen Reichtums, dem hohen Grad der Internet-Durchdringung, ihrer fortgeschrittenen Internet-Infrastruktur und immer stärker vomInternet abhängigen Wirtschaften und Zahlungssystemen", heißt es in dem Bericht. Der Report enthält keine länderspezifischen Daten, gibt aber allgemeine Empfehlungen an die Politik: So müsse die Exekutive ihre Präsenz und Sichtbarkeit online verstärken, fordert Europol. Die Polizei müsse mit der Industrie stärker Bewusstseinskampagnen über Cyber-Bedrohungen durchführen. Kinder müssten bereits in jungem Alter sicheres Online-Verhalten lernen.

Gesetzes-Harmonisierung empfohlen

Die Exekutive müsse ihre Kapazitäten stärken, um Ermittlungen, Analysen von " Big Data" und die kriminaltechnische Auswertung des "Internets der Dinge" durchführen zu können. Die Polizei müsse auch verstehen lernen, wie virtuelle Währungen funktionierten, die zur Geldwäsche missbraucht würden. Innerhalb der EU empfiehlt Europol eine stärkere Harmonisierung der entsprechenden Gesetzgebung, mit Staaten außerhalb der EU sollte diese Kooperationen suchen. Der wirtschaftliche Sparkurs der EU-Staaten habe die zuständigen Behörden zusätzlich daran gehindert, sich rasch an die "neuen Realitäten" anzupassen, beklagt Europol.

"Heutzutage kann fast jeder ein Cyber-Krimineller werden", sagte EU-Innenkommissarin Cecilia Malmström: "Dies setzt die Exekutivbehörden immer stärker unter Druck, um mithalten zu können. Wir müssen unser neues Wissen darüber einsetzen, wie das Organisierte Verbrechen online arbeitet, um mehr grenzüberschreitende Operationen durchführen zu können. Wir müssen sicherstellen, dass Ermittlungen zu Kreditkartenbetrug und Online-Missbrauch von Kindern nicht an nationalen Grenzen aufhören." (APA, 29.09.2014)

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