Ukraine glaubt trotz anhaltender Gewalt an Waffenstillstand

30. September 2014, 06:30
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Granate auf Truppentransporter in der Nähe des Flughafens der Rebellenhochburg Donezk - Kiew glaubt weiter an Waffenstillstand

Donezk - Bei Kämpfen mit prorussischen Separatisten im Osten der Ukraine sind nach Armeeangaben in den vergangenen 24 Stunden neun Soldaten getötet und 27 weitere verletzt worden. Der ukrainische Militärsprecher Andrej Lyssenko sagte am Montag, die Rebellen hätten am Sonntag erneut versucht, den Flughafen der Großstadt Donezk zu erobern.

Dabei sei ein gepanzertes Fahrzeug getroffen und mehrere Fallschirmspringer getötet worden. Die Stadtverwaltung von Donezk teilte mit, bei den Kämpfen seien auch drei Zivilisten getötet und fünf weitere verletzt worden.

Die prorussischen Separatisten sprachen von fünf toten Kämpfern in den eigenen Reihen und von acht Verletzten. Die Stadtverwaltung von Donezk berichtete in einer Mitteilung von drei getöteten Zivilisten und mehreren Verletzten. Die ukrainische Regierung glaubt trotz der anhaltenden Gewalt an einen Waffenstillstand, sagte Außenminister Pawlo Klimkin am Montag in der "ZiB 2".

Schwere Waffen eingesetzt

Die Lage in der Region sei angespannt, hieß es in der Mitteilung des Stadtrats. In vielen Vierteln sei Feuer aus schweren Waffen zu hören. Die Regierungstruppen und Separatisten hatten am 5. September in der weißrussischen Hauptstadt Minsk eine Waffenruhe vereinbart. Die Feuerpause galt von Anfang an als brüchig.

Die Gewalt war am Wochenende mit den Kämpfen um den Donezker Flughafen aufgeflammt. Die Separatisten teilten mit, dass die Feuerpause mehr als ein Dutzend Mal verletzt worden sei. Wohnhäuser, Industrieanlagen und öffentliche Gebäude seien zerstört worden. Die Aufständischen gaben die Zahl der getöteten Zivilisten mit sechs an. 18 Bürger in Donezk seien verletzt worden, hieß es.

Separatisten: Massengräber entdeckt

Die Separatisten haben nach eigenen Angaben im Gebiet Donezk Gräber mit rund 400 Leichen entdeckt. Bei den meisten Toten handle es sich um Zivilisten, sagte Separatistenführer Andrej Purgin am Montag nach Angaben der Agentur Interfax. Viele seien derartig zugerichtet, dass sie nicht einfach identifiziert werden könnten.

Die Gräber befänden sich in Gebieten, die zuvor von der ukrainischen Armee kontrolliert worden waren, sagte Purgin. Eine unabhängige Bestätigung der Zahl gab es zunächst nicht. Die Führung in Kiew hält die Darstellung der moskautreuen Separatisten für Propaganda und "russische Lügen", mit denen das ukrainische Militär nach dem Rückzug in ein schlechtes Licht gerückt werden soll.

"Die Leute sollen selbst wählen"

Die Lage sei weiter schwierig und die bisherige Feuerpause "nicht nachhaltig", er sei jedoch "vorsichtig, aber optimistisch", dass ein richtiger Waffenstillstand zustande komme, sagte der ukrainische Außenminister Pawlo Klimkin am Montag gegenüber der "ZiB 2".

Mit den prorussischen Separatisten will die Regierung in Kiew weiterhin nicht sprechen - zumindest nicht direkt, wie Klimkin sagte. "Wie können wir Leute anerkennen, die viele getötet und Geiseln entführt haben?", fragte er. Es brauche einen politischen Prozess im Osten des Landes - so müssten auch im Donbass und in Luhansk Lokalwahlen abgehalten werden. "Die Leute sollen selbst wählen", sagte Klimkin.

Die Beziehungen mit Russland sieht der Außenminister längerfristig als schwierig an, nicht zuletzt wegen der Besetzung der ukrainischen Halbinsel Krim durch Moskau. "Ohne die Krim werden die Beziehungen nie zu einer Normalisierung kommen", sagte Klimkin. (APA, 29./30.9.2014)

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