Obama: USA haben IS-Miliz unterschätzt

29. September 2014, 07:13
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US-Präsident räumt ein, die IS unterschätzt und die Schlagkraft der irakischen Armee überschätzt zu haben

Washington - Die US-Geheimdienste haben nach Ansicht von Präsident Barack Obama die Extremistengruppe Islamischer Staat (IS) in Syrien unterschätzt. Zugleich hätten die USA die Schlagkraft der irakischen Armee im Kampf gegen die vorrückenden Jihadisten überschätzt, räumte Obama in einem am Sonntag ausgestrahlten Fernsehinterview des Senders CBS ein. Die Extremisten hätten sich das Chaos im syrischen Bürgerkrieg stärker zunutze gemacht als erwartet. Syrien sei zu einer Art "Ground Zero" für Jihadisten aus der ganzen Welt geworden.

Obama verwies dabei auch auf Äußerungen des Direktors der Nationalen Nachrichtendienste, James Clapper. Dieser hatte bereits der "Washington Post" gesagt, die USA hätten nicht mit einem solchen Erfolg der IS-Milizen gerechnet. Zudem räumte Clapper ein, er hätte nie gedacht, dass sich die irakischen Sicherheitskräfte den vorrückenden Jihadisten im Norden des Golfstaats so schnell geschlagen geben könnten und die Flucht ergreifen würden.

Luftangriffe im Irak

Die USA fliegen seit August Luftangriffe auf Stellungen der Islamisten im Irak. Mitte September weiteten die USA ihre Bombardements auf IS-Stützpunkte in Syrien aus. An den Luftangriffen beteiligen sich mehrere arabische Staaten. Auch Frankreich und Großbritannien unterstützen die internationale Allianz seit einigen Tagen mit Lufteinsätzen im Irak.

Die Extremistengruppe hat tausende Menschen in Syrien und im Irak getötet. Zudem ließ die IS-Führung zwei US-Journalisten und einen britischen Entwicklungshelfer vor laufender Kamera enthaupten. Als Rache für die Luftangriffe hat der IS weltweit zur Entführung und Ermordung von Staatsbürgern aus jenen Staaten aufgerufen, die sich an der Allianz beteiligen. Dazu zählt auch Deutschland, das die Kurden im Nordirak mit Waffen beliefert.

Großangriff auf kurdische Enklave

Am Sonntag scheint die Terrormiliz von mehreren Seiten einen Großangriff auf die kurdische Enklave Kobanê (Ayn al-Arab) in Nordsyrien begonnen zu haben. Mindestens zwei Granaten seien am Abend im Westen der Stadt eingeschlagen, berichtete die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte. Auch von Osten her sollen die Extremisten nach Angaben von Augenzeugen angreifen.

Auf Twitter berichten Beobachter von der türkischen Grenze aus ebenfalls von "schwerem Beschuss". Eine arabische Journalistin vor Ort schrieb unter Berufung auf Anrainer, es sei das erste Mal, dass die IS-Miliz einen so großen Angriff unmittelbar auf die Stadt führe. Autos würden "reihenweise" die Stadt verlassen. Ein Korrespondent der kurdischen Nachrichtenseite "Rudaw" bestätigte Angriffe auf das Stadtzentrum.

Am Samstag hatten IS-Extremisten Kobanê nach Angaben der Beobachtungsstelle erstmals mit Mörsergranaten beschossen. Mindestens ein Bewohner sei dabei ums Leben gekommen. Die IS-Kämpfer haben vor über einer Woche einen Vormarsch auf die von Kurden bewohnten Gebiete in Nordsyrien begonnen. 60 Dörfer rund um Kobanê fielen bereits in ihre Hände. (APA, 29.9.2014)

  • IS-Kämpfer griffen die kurdische Stadt Kobanê (Ain al-Arab) an. Hier beobachten Kurden bei Suruc das grenznahe Geschehen.
    foto: ap

    IS-Kämpfer griffen die kurdische Stadt Kobanê (Ain al-Arab) an. Hier beobachten Kurden bei Suruc das grenznahe Geschehen.

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