Telecom Italia im Visier von Auslandsinvestoren

28. September 2014, 18:27
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Der staatliche Ex-Monopolist ist hoch verschuldet und günstig zu haben

Der staatliche Ex-Monopolist und ehemalige Telekom Austria Mutter, Telecom Italia (TI), ist ins Visier ausländischer Investoren geraten. Angeblich bastelt Sol Trujillo, der ehemalige Orange- und spätere Telestra-Chef gemeinsam mit arabischen Finanzinvestoren an einer 7,5 Milliarden. Euro Offerte für Telecom Italia.

TI ist mit 28 Milliarden Euro hoch verschuldet. Ihr letzter Versuch, in Brasilien mit einer Übernahme des Breitbandanbieters GVT zu expandieren und die Marktposition von TIM Brazil zu stärken, schlug fehl. Auch der geplante Verkauf von Telecom Argentinia wurde neuerdings verschoben. TI benötigt dringend Mittel, um in das Netz zu investieren.

Um Telecom Italia bemühten sich in den letzten Jahren mehrere ausländische Konzerne, etwa der Mexikaner Carlo Slim, Hutchison Whampoa, der Eigentümer von 3 Italia, und der ägyptische Milliardär Naguib Sawiris.

Geringe Marktkapitalisierung

Aber TI war nicht nur durch die hohen Schulden geschwächt. Das Unternehmen war jahrelang durch ein Aktionärsbündnis "Telco" geschützt. Dieses hielt 22 Prozent der Anteile und hatte damit das Sagen. Nun steigt ein Großaktionär nach dem anderen aus Telco aus (Banca Intesa Sanpaolo, Generali, Mediobanca). Die spanische Telefonica, wichtigster Aktionär bei Telco und TI hat nun einen Teil, nämlich acht ihrer insgesamt 15 Prozent Anteile an den französischen Vivendi-Konzern abgegeben.

Telecom Italia bringt es derzeit gerade auf eine Marktkapitalisierung von 12,4 Mrd. Euro. Der Moment ist also günstig um sich beim italienischen Telekomkonzern einzukaufen. Die Ratingagenturen haben TI als erstes Telekom-Unternehmen in Europa auf den Junk-Status abgestuft. Problem ist auch, dass der Telekomkonzern nicht die dringend notwendigen Mittel hat, um in die Netzinfrastruktur zu investieren. Die angepeilte Abspaltung des Netzes ist gescheitert.

Angeblich hat der US-Investor SolTrujillo der italienischen Regierung einen Geschäftsplan präsentiert, der innerhalb von fünf Jahren einen Umsatz von 26 Mrd. Euro, einen Ertrag vor Zinsen und Steuern (Ebit) von 11 Mrd. Euro und einen Abbau der Nettoschulden von derzeit 28 auf 16 Mrd. Euro vorsieht. Der Ägypter Sawiris hat inzwischen wissen lassen, dass er weiterhin an Telecom Italia interessiert sei. Chinesische Investoren haben sich kürzlich bei TI engagiert. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, 28.9.2014)

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