Russland: Lüge und Ablenkung

Kommentar28. September 2014, 17:44
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Lawrows Vorwärtsverteidigung

Das Muster ist so simpel wie wirksam. Man nennt es "Haltet den Dieb": Um zu verhindern, dass ich wegen meines Verhaltens bloßgestellt werde, beschuldige ich jemand anderen ebendieses Verhaltens.

Mit seiner Rede vor der UN-Vollversammlung hat der russische Außenminister Sergej Lawrow erneut bewiesen, dass er diese Methode mindestens so virtuos beherrscht wie sein Chef Wladimir Putin. Mit sorgenvoller Miene bezichtigte Lawrow die USA und EU einer militarisierten Außenpolitik zur Verteidigung der eigenen Interessen, deren jüngstes Opfer die Ukraine geworden sei.

Man könnte über diese glatte Verdrehung der Tatsachen lachen, wenn das Thema nicht so ernst wäre. Von den Ereignissen vor der Annexion der Krim bis zu den Kämpfen in der Ostukraine hat Russland seine direkte militärische Intervention zunächst verschleiert, um sie dann unter der Last der Fakten zugeben zu müssen.

Ein klarer Bruch des Völkerrechts, wie der deutsche Außenminister Frank-Walter Steinmeier und dessen österreichischer Kollege Sebastian Kurz vor der Uno festhielten. Steinmeier nannte Russland wörtlich, Kurz nicht, vermutlich, um die Konfrontation zu entschärfen. Er will eine politische Lösung. Auch Lawrow plädierte später in einem Interview für einen Neustart der Beziehungen zum Westen. Klingt gut, funktioniert aber nicht, solange Moskaus diplomatische Strategie vom Prinzip Lüge bestimmt wird. (Josef Kirchengast, DER STANDARD, 29.9.2014)

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