Die Kuh des Mühlviertler Manitu

29. September 2014, 08:00
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Zuwanderung auf heimischen Weiden: Bauern schätzen das zottelige Tier ob seiner Genügsamkeit, den Endverbraucher freut das zarte Fleisch.

Linz - "Yellowstone, 1991." Ein fast magisches Datum für Josef Prammer. Damals entfachte ein Besuch in dem berühmten Nationalpark im US-Bundesstaat Wyoming beim "Sepp" aus der Gemeinde Luftenberg bei Linz eine Leidenschaft, die den Landwirt bis heute nicht mehr loslässt.

Vor allem die Haare der Urlaubsbekanntschaft - "so dicht am ganzen Körper" - fesselten Sepp Prammer. Nicht zu verachten sei auch die stattliche Figur gewesen: "Bitte, ein Lebendgewicht von gut einer Tonne." Des Bauern großes Glück war, dass auch Ehefrau Gertrude dem Urlaubsflirt etwas abgewinnen konnte. Heute ist Josef Prammer einer von sechs Bisonzüchtern in Österreich.

Keine Vernunft in der Brunft

Schon bei der Anfahrt zum abgelegenen Hof wird dem landwirtschaftlichen Laien klar, dass hier mehr als nur die gemeine Milchkuh grast: Die sieben Hektar großen Weideflächen sind mit ausrangierten Autobahnleitplanken umzäunt. "Alles andere hätte keinen Sinn. Vor allem in der Brunftzeit marschieren die Bullen durch jeden normalen Zaun", erläutert Prammer.

"Kurt" ist eines dieser amerikanischen Nationaltiere auf Mühlviertler Prärieboden: gedrungener Vorderkörper, mächtiger Kopf, fast vier Meter lang, gut eine Tonne schwer mit einer Schulterhöhe von knapp zwei Metern. Das zottelige "Oberhaupt" der 30-köpfigen Herde beäugt wachsam alles, was sich in seinem Umfeld bewegt. Schnauben sichert den Respektabstand zu allzu neugierigen Zaungästen. "Die Bisons sind im Grunde zahm, aber man kommt ihnen besser nicht zu nah", sagt Prammer. Ob sich das "im Grunde" etwas näher erläutern ließe? Prammer: "Sie sind stur. Eigenwilliger als Rinder. Wenn dem 'Kurt' was nicht passt, wird er ungemütlich. Und des willst bei so einem Viech net' ausprobieren."

Traktor als Leitbulle

Prammer betritt das Gatter daher meist mit fahrbarem Untersatz. Regelmäßig wird der mit 1200 Kilo Heu beladene Steyrer Traktor zum Leitbullen - die Herde folgt der Landmaschine bis zum Futtertrog. Die Steppentiere sind an sich anspruchslos und extrem widerstandsfähig: "Im Winter liegen die lieber im Schnee als im Unterstand."

Was die Zucht aber erschwert, ist, dass Jungtiere erst mit drei Jahren geschlechtsreif sind und die Mutterkuh neun Monate trägt. Prammer sieht das gelassen: "Dank überschaubarer Zucht bleibt das Fleisch exklusiv und der Preis höher - und das mit weniger Futterbedarf als beim Hausrind." Die Nachfrage sei groß: "Die Leute wollen etwas Ausgefallenes auf dem Teller. Das Bisonfleisch ist das Fleisch mit den meisten Nährstoffen. Und so zart: Da brauchst beim Grillen kein Messer." Womit sich wohl der hohe Preis erklärt: 100 Euro kostet ein Kilo Bison-Lungenbraten.

Gesundes Fleisch

Den Gesundheitsaspekt bestätigt Ernährungswissenschafter Christian Putscher: "Ein Bison hat sehr viel Rückenfleisch - also wenig Fett im Fleisch. Allein von der Haltung her ist das Fleisch deutlich gesünder als Puten- oder Hühnerfleisch." Der große Vorteil sei die Exklusivität: "Es kommen bei der Verarbeitung keine Fette dazu. Aus einem Bison machst keinen Leberkäse." Verkauft wird auf Prammers Hof alles, was die "Indianerkuh" so hergibt, sobald sie letztmalig ins Gras gebissen hat: Fleisch, Fell, Hörner. Nur esoterisch angehauchte Hobbyindianer lässt der Bauer seit kurzem nicht mehr auf den Hof: "Nachdem einer bei mir die Knochen ausgekocht und dazu getanzt hat, brauch ich die Spinner nimma." (Markus Rohrhofer, DER STANDARD, 29.9.2014)

  • Die Weideflächen der Mühlviertler Bison-Herde sind mit  alten Autobahnleitplanken umzäunt. In der Brunftzeit würden Bullen "durch jeden  normalen Zaun" marschieren, sagt Züchter Josef Prammer.
    foto: werner dedl

    Die Weideflächen der Mühlviertler Bison-Herde sind mit alten Autobahnleitplanken umzäunt. In der Brunftzeit würden Bullen "durch jeden normalen Zaun" marschieren, sagt Züchter Josef Prammer.

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