Kwiatkowski erster polnischer Weltmeister

28. September 2014, 17:02
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24-Jähriger rettet im Straßenrennen knappen Vorsprung vor Favoriten ins Ziel - Valverde mit drittem Bronze in Serie

Ponferrada - Der neue Rad-Weltmeister heißt Michal Kwiatkowski. Der 24-jährige Pole rettete am Sonntag nach 254,8 Kilometern und beinahe sechseinhalb Stunden Fahrt durch Regen und Nässe wenige Meter Vorsprung auf eine Favoritengruppe ins Ziel.

Auf den Plätzen landeten in dem dramatischen Finale der Titelkämpfe im spanischen Ponferrada der Australier Simon Gerrans und der Spanier Alejandro Valverde, der sich zum dritten Mal in Serie mit Bronze zufriedengeben musste.

Für Kwiatkowski ist es der größte Erfolg seiner Karriere. Er ist der erste Pole, der sich das Regenbogentrikot überstreifen darf. Die Österreicher hatten mit der Entscheidung nichts zu tun. Der Vorarlberger Matthias Brändle landete nach 254,8 km als bester der sechs angetretenen ÖRV-Fahrer um Rang 50.

Kwiatkowski hingegen gewann in Ponferrada zwei Mal Edelmetall, mit seiner Equipe Omega Pharma Quick hatte er bereits Bronze im Mannschaftszeitfahren gewonnen. Er der amtierende polnische Meister in dieser Disziplin, gilt aber als starker Allrounder.

In einem ereignisreichen WM-Rennen attackierte Kwiatkowski gut sechs Kilometer vor dem Ziel, keiner der Favoriten war imstande ihm zu folgen. Trotz der danach einsetzenden Verfolgungsjagd behauptete sich der Pole. In den letzten beiden Rennstunden hatte immer wieder Regen eingesetzt und für komplizierte Verhältnisse gesorgt.

Belgier und Italiener, die eine starke Vorstellung zeigten, gingen am Ende leer aus. Der im Vorfeld hoch gehandelte Fabian Cancellara kam auf Platz elf ins Ziel.

"Musste riskieren"

Kwiatkowski hingegen riss schon bei der 100-Meter-Marke im Triumph die Arme nach oben, als seine Verfolger noch um die Medaillen sprinteten. "Es ist unglaublich. Ich habe mich auf der letzten Runde großartig gefühlt. Ich wusste, dass ich für den Sieg etwas riskieren musste", sagte der Weltmeister. Seine polnischen Teamkollegen hatten zuvor im Rennverlauf intensive Nachführarbeit geleistet, als eine Ausreißergruppe mehr als zehn Minuten Vorsprung herausgefahren hatte. Kwiatkowski: "Ich bin ihnen sehr dankbar dafür."

Valverdes Angriff auf dem letzten, kurzen Anstieg fünf Kilometer vor dem Ziel kam zu spät. Der Lokalmatador musste sich erneut mit Bronze zufrieden geben. Den Sprint des mit sieben Sekunden Rückstand heranbrausenden Feldes gewann der Norweger Alexander Kristoff.

Österreicher konnten nicht mit

Von den Österreichern vermochte Matthias Brändle ("Ich war voll am Limit") noch am längsten mit der Spitze mitzuhalten. Der Vorarlberger befand sich zehn Kilometer vor dem Ziel am hinteren Ende der Hauptgruppe und belegte schließlich mit 1:27 Minuten Rückstand Rang 53. Der Steirer Georg Preidler wurde 68., nachdem er bereits in der Anfangsphase in einen Sturz verwickelt war.

Die aussichtsreichsten österreichischen Pedaleure waren hingegen schon auf den letzten fünf von insgesamt 14 Runden auf dem 18,2 Kilometer langen Kurs einer nach dem anderen abgerissen. Zuerst erwischte es bei immer höherem Tempo Riccardo Zoidl, Routinier Bernhard Eisel sowie den WM-Debütant Marco Haller. Die drei fuhren das Rennen ebenso nicht zu Ende wie Youngster Patrick Konrad. (red - 28.9. 2014)

ERGEBNISSE der Rad-WM in Ponferrada/Spanien vom Sonntag:

Straßenrennen Herren (14 Runden a 18,2 km = 254,8 km): 1. Michal Kwiatkowski (POL) 6:29:07 Std. - 2. Simon Gerrans (AUS) +0:01 Min. - 3. Alejandro Valverde (ESP) - 4. Matti Breschel (DEN) - 5. Greg Van Avermaet (BEL) - 6. Tony Gallopin (FRA) alle gl. Zeit - 7. Philippe Gilbert (BEL) +0:04 - 8. Alexander Kristoff (NOR) +0:07 - 9. John Degenkolb (GER) - 10. Nacer Bouhanni (FRA) - 11. Fabian Cancellara (SUI) alle gl. Zeit. Weiter: 53. Matthias Brändle 1:27 - 68. Georg Preidler 5:12.

Nicht im Ziel: Bernhard Eisel, Marco Haller, Riccardo Zoidl, Patrick Konrad (alle AUT)

  • Die Konkurrenz hechelt in seinem Nacken, doch auf der Ziellinie hat Michal Kwiatkowski alle Zeit der Welt.
    foto: ap/de olza

    Die Konkurrenz hechelt in seinem Nacken, doch auf der Ziellinie hat Michal Kwiatkowski alle Zeit der Welt.

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