Erste Homosexuellen-Parade in Belgrad seit 2010

28. September 2014, 17:28
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Großes Polizeiaufgebot sicherte Gay Pride Parade in Belgrad ab - Bruder von Serbiens Ministerpräsident Aleksandar Vucic wurde am Rande des Marsches von Polizisten verprügelt

Bis in die Morgenstunden berieten serbische Sicherheitsdienste, ob die Gay-Pride-Parade in Belgrad am Sonntag stattfinden soll. Die Stimmung war angespannt: In den vergangenen Jahren wurde die Parade immer kurzfristig "aus Sicherheitsgründen" abgesagt. Erst Sonntagmorgen stand fest, dass die Pride 2014 planmäßig abgehalten wird. Bei der ersten und bisher letzten regulären Regenbogenparade 2010 kam es zu heftigen Krawallen, die rechtsnationalistische Gruppen auslösten.

Mehrere Hundert Menschen versammelten sich um die Mittagszeit mit Regenbogenfahnen vor dem Regierungsgebäude im Stadtzentrum. Sie marschierten rund fünfhundert Meter zum Rathaus. Lesben, Schwule, Bisexuelle und Transsexuelle (LGBT) führten die Kolonne an, gefolgt vom Bürgermeister Belgrads, Sinisa Mali, einigen Ministern und Parlamentariern sowie Vertretern der EU und westlicher Botschaften.

Keine ausgelassene Stimmung

Die Parade verlief ruhig, doch eine richtig fröhliche Stimmung wollte nicht aufkommen. Ein gewaltiges Sicherheitsaufgebot, kolportiert wurden 7000 Polizeibeamte, sicherte die Pride ab. Die Innenstadt war gesperrt. Polizisten in Kampfausrüstung ließen nicht einmal Fußgänger passieren, Panzerwagen waren zu sehen.

Die Regierung wollte sichergehen, dass die Pride friedlich verläuft. Belgrad wurde von EU-Partnern nahegelegt, dass das Abhalten der Pride Pluspunkte bei den EU-Beitrittsverhandlungen bringt. Vor zwei Wochen war ein deutscher Homosexuellen-Aktivist in Belgrad angegriffen und krankenhausreif geschlagen worden.

Am Rande der Parade wurde Andrej Vucic, Bruder von Serbiens Ministerpräsident Aleksandar Vucic, von Polizisten verprügelt und danach in ein Krankenhaus eingeliefert. Polizisten sollen Andrej Vucic sowie zwei seiner Securitys nach ihren Ausweisen gefragt haben. Danach soll es zum Zwischenfall gekommen sein. (Andrej Ivanji aus Belgrad, DER STANDARD, 29.9.2014)

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