SPÖ legt Gesamtschule auf Eis

27. September 2014, 12:56
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Bildungsministerin Heinisch-Hosek will Kindergarten und Volksschule besser verbinden

Schladming - Die SPÖ gibt sich - zumindest vorläufig - geschlagen und legt das Herzstück ihrer Bildungsideologie, die Gesamtschule, auf Eis. Die SPÖ-Regierungsmitglieder haben nach all den Jahren der Auseinandersetzung mit der ÖVP zur Kenntnis nehmen müssen, dass es eine gemeinsame Schule der zehn bis 14-Jährigen mit der Volkspartei nicht geben wird.

ÖVP-Vizekanzler Reinhold Mitterlehner präzisierte bei der Regierungsklausur in Schladming die neue Orientierung der österreichischen Bildungspolitik. Es gehe nicht mehr um die Frage "Gesamtschule Ja oder Nein", sondern darum, das Thema "zu entkrampfen" und den Fokus auf den Übergang vom Kindergarten zur Volksschule zu legen, sagte Mitterlehner. Das sei der "gravierende Unterschied" zu den früheren Bildungsdiskussionen.

"Bei den Kleinen beginnen"

SPÖ-Bildungsministerin Heinisch-Hosek verlor kein Wort mehr über die Gesamtschule. "Wir wollen den neuen Weg jetzt rasch weitergehen und bei den Kleinen beginnen." Es sei nun gelungen, Modelle zur Verbindung des Kindergartens mit der Volksschule zu entwickeln und die Pädagogen und Pädagoginnen beider Ebenen zu vernetzen.

Es müssten in diesem Zusammenhang auch administrative Fragen wie die neun unterschiedlichen Kindergartensysteme gelöst werden. Die Änderungen im frühen Schulbereich, die konkret das letzte verpflichtende Kindergartenjahr und die ersten beiden Volksschuljahre betreffen, sollen mit dem Schuljahr 2016/ 2017 umgesetzt werden.

Kernpunkt Sprachbeherrschung

Kernpunkt der frühen Förderung sei die Sprachbeherrschung, sagte Heinisch-Hoschek. Es werde "Intensivprogramme" für "quereinsteigende" Kinder geben. Bis zum Schuleintritt sollten alle Kinder "fit sein in Sprache". Für die Sprachförderprogramme sind in Summe jährlich 45 Millionen Euro reserviert - die bereits budgetiert sind.

Auch bei der Schulautonomie wollen SPÖ und ÖVP Initiativen starten. Schulen soll die Möglichkeit gegeben werden, etwa bei Schulleitungen, bei Ressourcen, aber auch bei der Zeitautonomie mitzureden. Die 50–Minuten-Stunde müsse nicht mehr das Maß aller Dinge sein, sagte Heinisch-Hosek.

Abgespeckte Turnstunde

Und schließlich: Die tägliche Turnstunde soll tatsächlich eingeführt werden. Zu diesem Zweck werden auch externe Vereinssportler in die Schulen geholt.

Von der der täglichen Turnübung ist allerdings nur noch eine Schmalspurvariante übrig geblieben. Sie bleibt auf Ganztagsschulen beschränkt und soll mit Mitteln aus dem 15a-Vertrag zum Ausbau ganztägiger Schulformen in der Höhe von "bis zu zehn" Millionen Euro finanziert werden. Ursprünglich sollten in das "Projekt Turnstunde", das bereits mit dem Schuljahr 2014/15 hätte starten sollen, 100 bis 110 Millionen Euro investiert werden. Das Vorhaben dürfte aber dem Sparprogramm zum Opfer gefallen sein und nun in abgespeckter Form wiederbelebt werden.

(Walter Müller, derStandard.at, 27.9.2014)

  • Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) will den Schulen mehr Autonomie geben, Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) präzisierte den neuen Weg der Bildungspolitik.
    foto: apa/robert jaeger

    Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) will den Schulen mehr Autonomie geben, Vizekanzler Reinhold Mitterlehner (ÖVP) präzisierte den neuen Weg der Bildungspolitik.

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