"Es gibt keine Budgetvorgabe"

28. September 2014, 09:09
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Bildhauer Jos Pirkner war für Dietrich Mateschitz tätig

STANDARD: Happy nach all den Jahren?

Pirkner: Ja klar, und wie! Herr Mateschitz und ich arbeiten nun schon lange zusammen. Inzwischen sind wir gute Freunde. Und ich kann mit Gewissheit sagen: Das Beste ist für ihn gerade gut genug.

STANDARD: Dietrich Mateschitz redet ungern über Baukosten. Und Sie?

Pirkner: Der Vorteil, wenn man für den Mateschitz arbeitet, ist der: Es gibt keine Budgetvorgabe. Das ist doch wunderbar! Wo gibt es das schon?

STANDARD: Das heißt, Sie zeichnen einfach drauflos?

Pirkner: Ja, es zählt ausschließlich die Qualität. Bei den meisten Dingen, die ich entwerfe, habe ich keine Ahnung, was die in der Ausführung kosten. Geld spielt in diesem Hause keine Rolle.

STANDARD: Was steht denn unterm Strich für eine Summe?

Pirkner: Keine Ahnung. Woher soll ich das wissen! Ich denke mir nur: Alles, was hier ist, ist radial. Jede Stiege, jede Fliese, jedes Glas. Das macht den Bau natürlich nicht billig, würde ich meinen.

STANDARD: Würden Sie Dietrich Mateschitz als Ihren Mäzen bezeichnen?

Pirkner: Ja.

STANDARD: Sie haben nicht nur das Kunstwerk entworfen, sondern das gesamte Headquarter. Sehen Sie sich denn als Künstler oder als Architekt?

Pirkner: Ich bin Bildhauer. Ich bildhauere Räume und Skulpturen. Ich ordne die Dinge nach meinen Gegebenheiten.

STANDARD: An einer Stelle haben Sie sogar Ihren Mäzen verewigt.

Pirkner: Ja, an einer Stelle packt Mateschitz einen der Bullen bei den Hörnern. Das ist der Abdruck seiner Hand. Er hat sie in der Hand, die Bullen.

STANDARD: Wie geht es am Areal weiter? Laut Mateschitz platzt der Standort Fuschl am See bereits aus allen Nähten.

Pirkner: Insgesamt gibt es hier jetzt 700 fixe Arbeitskräfte. Hinzu kommen 200 freie Mitarbeiter. Damit hat der Standort seine Grenzen erreicht.

STANDARD: Woran arbeiten Sie jetzt?

Pirkner: Ich habe viel zu tun. Ich arbeite derzeit an einem Red-Bull-Bürogebäude für Japan. Ich mache mir gerade ein paar Gedanken dazu. Aber das Projekt ist noch nicht spruchreif. (DER STANDARD, 27.9.2014)

Jos Pirkner, 1927 in Sillian geboren, studierte Bildhauerei. Mit seinen Skulpturen hatte er rasch große Erfolge in den Niederlanden und den USA. Seit 1978 lebt und arbeitet er in Tristach bei Lienz. Seit 2002 ist er u. a. für Red Bull tätig.

  • Budgetvorgaben gibt es für Bildhauer Jos Pirkner nicht.
    foto: skarwan / red bull

    Budgetvorgaben gibt es für Bildhauer Jos Pirkner nicht.

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