"Wiener Wohnungsmarkt ist aus dem Gleichgewicht"

26. September 2014, 17:55
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Bank-Austria-Experte: Mietwohnbau forcieren - Immo-Investitionen vor Rekordjahr

Wien - Unter 3000 Euro je Quadratmeter ist in Wien kaum noch neues Wohneigentum zu bekommen - eine Entwicklung, die Reinhard Madlencnik, Head of Real Estate bei der Bank Austria, mit Sorge betrachtet. Die Eigentumspreise stiegen in den vergangenen fünf Jahren im Schnitt jeweils um 9,4 Prozent, nun sei "ein Punkt erreicht, wo es schwierig wird". Weil die freien Mieten zuletzt jährlich "nur" um fünf Prozent stiegen, zahle es sich de facto nicht mehr aus, Eigentum zu vermieten. Manche Anlegerwohnung würde aus diesem Grund leerstehen und der Wiener Wohnungsmarkt insgesamt "etwas aus dem Gleichgewicht" sein. Eine Wiederherstellung der Balance sei nötig und werde wohl "zumindest teilweise" über die Anhebung der freien Mieten passieren müssen, ist sich Madlencnik sicher: "Die Eigentumspreise werden nicht endlos in den Himmel wachsen können. Entweder sie stagnieren irgendwann, oder es müssten die Wohnungsmieten allein nachziehen."

Abhilfe schaffen könnte auch ein größerer freifinanzierter, aber leistbarer Mietensektor, so der BA-Experte. Aktuell sind für ihn zu viele neue Projekte nur auf den Verkauf als Eigentumswohnungen ausgerichtet. Hier seien zudem "so viele neue Developer am Markt, dass man sich langsam fragen muss, ob die auch wirklich alle ihr Handwerk verstehen."

Größere freifinanzierte Mietwohnobjekte wären, nicht zuletzt wiederum für institutionelle Investoren wie die heimischen Immobilienfonds, höchst interessant - diese seien derzeit aber kaum zu bekommen.

Investitionen gestiegen

Was die Investitionen in heimische Gewerbeimmobilien betrifft, so erwartet BA-Analystin Karla Schestauber mit einem Volumen von "mindestens 2,7 Milliarden Euro" ein neues absolutes Rekordjahr. Zum Vergleich: Im Vorjahr wurden "nur" 1,7 Milliarden Euro umgesetzt. Schon im ersten Halbjahr wurden aber laut CBRE Österreich 1,33 Milliarden investiert, wobei gut die Hälfte des Geldes aus dem Ausland stammte.

Der Real-Estate-Bereich der Bank Austria möchte heuer ein Neuvolumen von rund 2,5 Milliarden Euro finanzieren; knapp zwei Milliarden davon in Österreich, den Rest in CEE. (Martin Putschögl, DER STANDARD, 27.9.2014)

  • Mehr freifinanzierter Mietwohnbau würde dem Markt gut tun, meint man bei der Bank Austria.
    foto: apa/fohringer

    Mehr freifinanzierter Mietwohnbau würde dem Markt gut tun, meint man bei der Bank Austria.

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