Das Apfelessen geht weiter

26. September 2014, 17:56
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Showdown zwischen steirischem und polnischem Apfel

Graz/Wien - Die Apfelfrage hat uns weiter im Griff. Nachdem zuletzt die Agrarmarkt Austria Marketing (AMA) im Standard bestätigte, dass EU-Sanktionen gegen Russland die heimischen Apfelbauern weit weniger treffen als die polnischen, trat nur kurz Entspannung im zum Apfelverschlingen ermunterten Volk ein.

Der Rat, als solidarischer EU-Bürger jetzt polnische Äpfel zu essen, rief Rupert Gsöls auf den Plan. In der Brust des Präsidenten des Bundes-Obstbauverbandes pochen auch zwei Herzen: ein österreichisches und ein europäisches. Aber das österreichische pocht lauter.

"Es stimmt, Polen ist der größte Apfelproduzent der EU, ein Drittel wird dort angebaut, davon ging ein Drittel nach Russland", so Gsöls. Aber: "Diese Ware steht jetzt." Und zwar auf dem EU-Markt. "Unser Problem ist, dass wir jeden zweiten Apfel exportieren", so der Obstbau-Präsident, "und da trifft jetzt unser Apfel auf den polnischen Apfel." Für elf Millionen Tonnen sei die EU ein guter Markt. Bei mehr beginnt ein Verdrängungswettbewerb. Die Russen weisen eine Million ab, und heuer "droht" auch noch eine Rekordernte. So rollt eine weitere Million auf uns zu. Insgesamt zwei Millionen Tonnen zu viel für die EU. Was tun? Gsöls muss nicht überlegen: weiteressen. Gerade beim Pro-Kopf-Verbrauch liege "eh schon lang vieles im Argen".

"Lauter exotische Früchte"

Vor 20 Jahren aß der Österreicher im Jahr noch 27 Kilo, heute sind es läppische 19,5. Was ist passiert? "Schauen Sie in die Supermarktregale", sagt Gsöls, "da liegen lauter exotische Früchte, von denen ich manchmal nicht einmal weiß, wie man die isst. Und es gibt im Winter Erdbeeren!" Das alles mache dem Apfel zu schaffen. Es hilft also nichts: Wir müssen weiter Äpfel essen. Der vom Agrarminister zuerst ventilierte tägliche Apfel würde jedoch "wirklich zu einem Apfelengpass führen", gibt Gsöls zu, "aber einer mehr pro Woche wäre schon gut". (Colette M. Schmidt, DER STANDARD, 27.9.2014)

  • Der Österreicher isst heute 7,5 Kilogramm weniger Äpfel im Jahr als noch vor 20 Jahren.
    foto: dpa/roland weihrauch

    Der Österreicher isst heute 7,5 Kilogramm weniger Äpfel im Jahr als noch vor 20 Jahren.

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