Krieg gegen den "Islamischen Staat": Das Dilemma mit dem Iran

Kommentar26. September 2014, 19:31
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Der Westen kann es sich jetzt nicht leisten, den Iran zu "verlieren"

Das schwierigste politische Problem der US-geführten Allianz gegen den "Islamischen Staat" (IS) ist, wie sie mit dem Iran umgehen soll. Die Iraner sind, ob man das will oder nicht, Partner in diesem Kampf: im Irak am Boden, wo die USA nichts mehr gegen die Präsenz des iranischen Al-Quds-Generals Ghassem Suleimani einzuwenden haben - Beobachter sind der Ansicht, dass ihm die Rettung des Turkmenendorfs Amerli zu verdanken ist -, aber auch politisch, durch den Draht zum Assad-Regime.

Den USA Scheinheiligkeit vorzuwerfen, weil sie sich nicht offen zu dieser Kooperation bekennen, greift zu kurz: Es sind vor allem die sunnitischen arabischen Staaten, die bei sich zu Hause ohnehin bereits das Problem haben, dass die Anti-IS-Allianz als amerikanisch-schiitische Verschwörung gegen die Sunniten wahrgenommen wird.

Eines der Resultate dieses Dilemmas könnte sein, dass der Ausgang der Atomgespräche nicht hopp oder dropp sein wird, wie zu Beginn des Jahres alle Beteiligten beteuerten. Der Iran scheint im Moment den Bogen zu überspannen, denn seinen Wünschen den mittelfristigen Umfang seines Urananreicherungsprogramms betreffend werden die westlichen Verhandler nicht nachgeben. Andererseits kann es sich der Westen jetzt nicht leisten, den Iran zu "verlieren". Zum ersten Mal wird nach Konstruktionen gesucht, die den Jetztzustand - eine "freiwillige" Beschränkung des Iran - auf längere Zeit einfrieren würden. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, 27.9.2014)

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