Einfach tierisch hysterisch

Kolumne28. September 2014, 15:40
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Wie Pipsi die Wiener Taxler verschreckt

Der vor der roten Ampel wartende Taxifahrer nickte freundlich, als ich vor dem Wiener Eislaufverein mit dem Arm wachelte. Ein Glücksfall! Schnell und unkompliziert an einem der wenigen lauen Sommerabende zur Theater-Rushhour einen Chauffeur aufgegabelt - was will das Herz mehr nach einem langen Arbeitstag?

Die Freude währte freilich nicht lang. Pipsi war an ihrer Ausziehleine noch nicht ganz aus der begrünten Furche beim Beethoven-Platz herausgetrippelt, und schon war es vorbei mit der (Fahr-) Gastfreundlichkeit. Das gestammelte "Hund kommt auch mit?" diente nur mehr der Rhetorik. Fenster hoch und ein Quietscherl beim Wegfahren, als wären 35 Kilo Pitbull im Anmarsch - so schnell ist man seinen Fahrer los. Mag ja sein, dass der gute Mann schlechte Erfahrungen mit des Wieners liebstem Kind gemacht hat. Flucht vor einem Hündchen in Katzengröße scheint doch übertrieben.

Profane Verweigerungsmotive

Unhöflich ist es sowieso, zumal Wiener Taxler laut Verordnung jeden Hund mitnehmen müssen, sofern sein Äußeres nicht annehmen lässt, die von ihm ausgehende Verschmutzungsgefahr sei groß. Egal, ein paar Meter weiter beim Schwarzenbergplatz erbarmte sich ein echter Wiener und "Herrl" eines kalbsgroßen Boxers und gab einschlägige Schwänke von sich.

Verweigerungsmotive können aber auch profaner sein als die Furcht um Leib und Leben. Ein anderer Taxler wollte Pipsi hysterisch in den Kofferraum verbannen. Er fürchtete um die Ledersitze seines heiligen Mercedes - dabei trägt Pipsi Kurzhaarschnitt und schläft stets in ihrer Filztasche. (Luise Ungerboeck, DER STANDARD, 26.9.2014)



  • Pipsi, der Hund in Katzengröße, schlägt die Taxler in die Flucht.
    foto: cremer

    Pipsi, der Hund in Katzengröße, schlägt die Taxler in die Flucht.

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