Prozess in Wien um Krieg in der Kriegerheimstätte

27. September 2014, 09:00
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Nach einem Vorstandswechsel tobt in einer Siedlungsgenossenschaft ein Kleinkrieg, der den Strafrichter fast resignieren lässt

Wien – Die Siedlungsgenossenschaft "Kriegerheimstätten" in Wien-Donaustadt gibt es seit 1921. Seit 2012 herrscht dort ein Kleinkrieg, der Heinz K. wegen übler Nachrede vor Richter Thomas Spreitzer gebracht hat. Der 67-Jährige K. war rund 40 Jahre im Vorstand der Genossenschaft, seit seiner Abwahl haben Juristen ein breites Betätigungsfeld.

Sieben Privatpersonen, aktuelle Vorstände und andere, haben den Pensionisten verklagt. Im Kern geht es um drei Themen: K. habe Rundschreiben verfasst, im April 2013 an Lichtmasten affichiert und in Briefkästen der Siedlung geworfen.

In diesen hinterfragte er Aktionen des neuen Vorstandes kritisch. Dazu soll er diverse Anzeigen erstattet und schließlich unter einem Pseudonym bösartige Mails verbreitet haben.

Das bringt vor allem einen der Kläger, Wieland K., seit eineinhalb Jahren extrem auf. Am dritten Prozesstag wird aus einem Mail von ihm zitiert: Man wolle den Angeklagten "endgültig aus dem Verkehr ziehen, egal, wie lange es dauert und was es kostet". Ein martialischer Vorsatz, der insofern originell ist, da Wieland K. auch Mediator ist.

Drei Monate Zeit für Vergleich

Konstruktive Konfliktbeilegung scheint aber schwieriger umsetzbar, wenn man selbst betroffen ist. Denn Richter Spreitzer hatte den Parteien seit dem letzten Verhandlungstag drei Monate Zeit für einen Vergleich gegeben. Ein Waffenstillstand, der ohne Ergebnis verstrichen ist.

Also werden nun letzte Zeugen gehört, einzelne Scharmützel in Erinnerung gerufen: Neue Bezahlsysteme in der Waschküche, die Anschaffung einer Schneefräse, gebrochene Wahlversprechen sorgten für Unmut. Selbst ein mit Kameras präpariertes Moped wurde in der Auseinandersetzung verwendet.

Richter Spreitzer spricht K. nicht rechtskräftig frei: Die Vorwürfe seien nicht ehrenrührig. Dafür das Wohnklima vergiftet: "Wahrscheinlich müsste sich die Genossenschaft auflösen und die Bewohner wegziehen", stellt er leicht resignierend fest. (Michael Möseneder, DER STANDARD, 27. 9. 2014)

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