Kinderpornografie: 100.000 Dateien in Computer von Ex-Nuntius

26. September 2014, 14:41
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Vatikan sucht nach Komplizen von Erzbischof Jozef Wesolowski

Vatikanstadt - Die Ermittlungen des Vatikans gegen den früheren Nuntius in der Dominikanischen Republik und polnischen Erzbischof Jozef Wesolowski wegen mutmaßlichen Kindesmissbrauchs laufen auf Hochtouren. Gesucht werden jetzt Komplizen, die dem 65-jährigen Polen Kinder vermittelt und sich mit ihm an sexuellen Misshandlungen beteiligt haben könnten.

Aus den Dokumenten der Vatikan-Ermittler geht klar hervor, dass der Nuntius mit anderen Personen Minderjährige sexuell missbraucht habe, berichtete die Tageszeitung "Corriere della Sera" am Freitag. Nicht ausgeschlossen wird, dass Wesolowski einem internationalen Pädophilenring angehörte. Überprüft wird die E-Mail-Korrespondenz des Geistlichen.

Archiv kinderpornografischer Fotos

In Wesolowskis Computer wurden 100.000 Dateien mit kinderpornografischem Material entdeckt, 45.000 weitere Bilder waren gelöscht worden, berichtete das Blatt. In den Fotos sind Minderjährige im Alter zwischen 13 und 17 Jahren zu sehen. Aus den Ermittlungen geht hervor, dass der Geistliche besonders geschickt mit Computertechnologie umgehen konnte. Er hatte in einem Computer im Vatikan-Besitz ein wahres Archiv kinderpornografischer Fotos angesammelt, berichtete "Corriere della Sera".

Die Untersuchung soll auch auf andere Länder ausgedehnt werden, in denen der Geistliche in den vergangenen Jahren tätig war. Die Liste der Länder, in denen der 65-Jährige Kinder sexuell missbraucht haben könnte, ist lang. Das Verfahren gegen den Geistlichen solle noch im laufenden Jahr, spätestens aber Anfang 2015 beginnen. Die Anklage stützt sich auf Kirchendokumente sowie auf Beweise der Ermittlungsbehörden in der Dominikanischen Republik, wo Wesolowski seine Taten begangen haben soll. Ein geheim tagendes Kirchengericht hatte Wesolowski bereits im Juni aller Kirchenämter enthoben und zum Laien degradiert.

Sechs bis sieben Jahre Haft

Wesolowski drohen sechs bis sieben Jahre Haft, sofern sich die Vorwürfe nicht ausweiten sollten. Das im Juli 2013 reformierte Strafrecht des Vatikans sieht für sexuellen Missbrauch Minderjähriger bis zu zwölf Jahre Haft und eine Geldbuße bis zu 150.000 Euro vor. Sollten die Missbrauchsopfer jünger als 14 Jahre sein, könnte die Strafe auch höher ausfallen. Wesolowski wurde ein Pflichtverteidiger zur Seite gestellt. (APA, 26.9.2014)

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