"Unlimited Detail": Erste Spiele mit neuartiger Grafiktechnologie in Entwicklung

29. September 2014, 08:21
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Entwickler dokumentieren Fortschritt und Funktionsweise der "Geoverse"-Engine

Vor vier Jahren sorgte ein weitgehend unbekannntes Unternehmen namens Euclideon mit der Ankündigung einer Grafikengine für Aufmerksamkeit. Ihre Technologie, so die Entwickler, solle es ermöglichen, fotorealistische 3D-Umgebungen künftig auf normalen PCs zu realisieren.

In einem Video demonstrierte man, wie ein mit einem eigenen Renderingverfahren aus der Ferne als auch bei großer Nähe enorm detailreiche Grafik auch in Bewegung ermöglichen soll. Danach wurde es mehrere Jahre lang recht ruhig um die Firma, die sich nun aber mit einigen Neuigkeiten zurückmeldet.

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Das Verfahren basiert auf einem System aus im Raum platzierten Datenpunkten. Diese können etwa beim Laserscannen von Umgebungen generiert werden und ermöglichen enorme Detailtiefe. Um mit der Fülle an Informationen vernünftig umgehen zu können, werden bei Bewegungen ein großteil der Punkte ignoriert und erst bei Stillstand wieder in die Berechnung miteinbezogen – was bei der Umsetzung von lebendigen 3D-Welten nicht praktikabel ist.

Euclideon hat nach eigenen Angaben mit der eigenen "Geoverse"-Engine auf Basis der "Unlimited Detail"-Technologie eine Lösung gefunden, mit der praktisch unendlich viele Punkte umgesetzt werden können, ohne dabei die Grafikkarte einzubeziehen. Wo professionelle Tools der Geoinformations-Industrie bis zu einer halben Stunde benötigen, um 20 Milliarden Punkte eines Landschaftsmodells einzulesen, soll Geoverse weniger als eine Sekunde benötigen.

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Das Geheimnis dahinter ist ein 3D-Suchalgorithmus. Dieser weist jedem sichtbaren Pixel einen der Datenpunkte zu, sodass die Gesamtmenge der Informationen keine relevante Rolle spielen soll. Dabei verzichtet man auch darauf, sämtliche Daten vorher über den Arbeitsspeicher einzuladen und arbeitet direkt von der Festplatte, so die Erklärung. Nur die tatsächlich benötigten Punkte landen im RAM und werden schließlich für die Ausgabe des Bildes genutzt.

Ein eigenes System zur Indizierung und den Zugriff auf die Daten soll dabei genug Performance ermöglichen, obwohl die Lese- und Schreib-Zeiten einer Festplatte deutlich höher liegen als jene des Arbeitsspeichers. Voraussetzung ist allerdings, dass die jeweiligen Daten zuvor in Euclidions eigenes Format konvertiert werden.

Dies soll mit einer Eigenlösung mit einer Geschwindigkeit von bis zu 3,5 Milliarden Punkten pro Stunde möglich sein. Im Zuge dessen soll sich der Speicherbedarf für das Material um 60 bis 70 Prozent verringert werden können, je nachdem wie präzise (möglich ist eine Genauigkeit von weniger als einem Millimeter) die Umrechnung erfolgt.

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Geoverse soll Potenzial in vielen Bereichen aufweisen und bereits Interessenten aus diversen Branchen angelockt haben. Laut Euclidion nutzen bereits mehrere große Unternehmen die Technologie. Nun will man den Vorstoß ins Videospielsegment vorantreiben.

Bei zwei in Entwicklung befindlichen Titeln soll die Technologie bereits zum Einsatz kommen, sie sollen 2015 erscheinen. Kommendes Jahr will man außerdem in Europa eine eigene Games-Division eröffnen, in die sich auch Investoren einkaufen können werden. (gpi, derStandard.at, 29.09.2014)

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