David reitet mit Bella durch die Nacht

Kolumne28. September 2014, 15:47
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Fantastische Geschichten aus der Welt der Werbung. Diese Woche: Belstaff. David Beckhams Ansichten über die Rolle der Frau und die Gründe, warum er beim ehelichen Sex künftig einen Nierenschutz trägt

Diese verdammten Paparazzi hatten es mal wieder geschafft. Jetzt war David aber echt sauer. Er hatte sich extra im Lieferwagen des Poolreinigers aus seiner Villa schleusen lassen, um die Motorradtour ohne den üblichen Schwarm an Schmeißfliegen absolvieren zu können. Aber da waren sie nun. Und Bella war natürlich mit auf den Fotos. Und das, wo er Vic doch sein großes Flankengottehrenwort gegeben hatte, dass sie auf keinen Fall mit dabei sein würde. Victoria sträubten sich die Nackenhaare, wenn jemand nur Bellas Namen erwähnte. Da konnte er sich auf was gefasst machen, wenn sie die Fotos im Internet sehen würde.

foto: lukas friesenbichler / originalsujet fotografiert von peter lindbergh

Und Victoria hatte auch allen Grund zur Eifersucht, denn Bella war einfach großartig. Scheiße, sie war echt geil und auch so, wie sollte er das ausdrücken, so… normal. Sie trank dann und wann ein paar Bier, sie aß gern Spareribs und hatte eine kleine Speckrolle in der Hüftgegend, die einfach megasexy war. Wen Vic einmal im Jahr ein paar Pommes aß, ernährte sie sich danach zur Strafe eine Woche lang nur von fettarmem Joghurt. Von einem halben pro Tag! Und wenn sie Sex hatten, hatte er danach manchmal blaue Flecken – von Vics spitzen Hüftknochen.

Bella konnte auch einfach mal nichts machen. Sie saß dann etwas entfernt von der Gruppe auf einem Baumstumpf und schaute in die Ferne. Victoria hatte laut Terminkalender 2008 zum letzten Mal für eine halbe Stunde frei. Bella lachte oft laut und über das ganze Gesicht, David liebte ihre kleinen Fältchen in den Augenwinkeln. Victoria hatte 1997 zum letzten Mal aus einem spontanen Impuls heraus gelacht – hatten ihm jedenfalls Freunde erzählt. Bella hatte einen ganz normalen Job in einer Rechtsanwaltskanzlei, 9 to 5. Victoria würde nicht ruhen, bevor sie nicht von Anna Wintour zur größten Designerin des Planeten ausgerufen würde. Und danach wahrscheinlich erst recht nicht.

Wo war sie jetzt eigentlich: noch in London? Schon in Paris? Oder ganz woanders? David verlor da manchmal den Überblick. Diese Frau war so furchteinflößend tüchtig... Als ob es eine eigene Unterwäschelinie nicht auch tun würde. Sie hatten doch eh ausgesorgt! Ach, er würde jetzt trotzdem einfach mal den Abend genießen. Die Standpauke via Handy würde frühestens morgen kommen. Und beim Entschuldigungssex konnte er ja einfach den Nierenschutz von der Motorradtour anbehalten, dann würde das mit den blauen Flecken nicht so schlimm werden. (Stefan Ender, derStandard.at, 28.9.2014)

  • Die Kreativität der Werbebranche ist grenzenlos. Genauso wie die Phantasie unseres Autors Stefan Ender. Er denkt sich an dieser Stelle wöchentlich eine Geschichte zu einer aktuellen Werbekampagne aus. Das Magazin mit dem aktuellen Werbesujet fotografierte Lukas Friesenbichler, das Originalmotiv stammt von Peter Lindbergh.
    foto: lukas friesenbichler / originalsujet fotografiert von peter lindbergh

    Die Kreativität der Werbebranche ist grenzenlos. Genauso wie die Phantasie unseres Autors Stefan Ender. Er denkt sich an dieser Stelle wöchentlich eine Geschichte zu einer aktuellen Werbekampagne aus. Das Magazin mit dem aktuellen Werbesujet fotografierte Lukas Friesenbichler, das Originalmotiv stammt von Peter Lindbergh.

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