"Mühlsteine für Start-ups"

26. September 2014, 13:57
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Jungunternehmer schlagen sich mit bürokratischen Hürden herum - die Bundestagung der Jungen Wirtschaft wartet mit einem Forderungskatalog auf

Die Bundestagung der Jungen Wirtschaft (JW) in Wien hatte am Freitag ein großes Thema: "Ausufernde Bürokratie". Dadurch gingen in der Bundeshauptstadt Arbeitsplätze und Investitionen verloren. Laut einer Studie des international central european institute könnten bei einer Reduzierung der Bürokratie um ein Viertel 11.300 neue Jobs in Wien geschaffen werden. "Bei den derzeitigen Arbeitsmarktdaten dürfen wir es uns nicht leisten, dieses Potential ungenutzt zu lassen", so Walter Ruck, Präsident der Wiener Wirtschaftskammer.

Bereits im ersten Betriebsjahr schafft ein neugegründetes Unternehmen durchschnittlich 2,4 Arbeitsplätze. "Dieses Potential kann in Österreich aber nicht ausgeschöpft werden. Denn eine überbordende Bürokratie würgt diese Chance auf Wachstum und Innovation ab", betont Herbert Rohrmair-Lewis, Bundesvorsitzender der JW.

Das zeige auch eine Umfrage des market-Instituts unter mehr als 1100 heimischen Jungunternehmern. Über die Hälfte der befragten Jungunternehmer (54 Prozent) stufen Österreich als sehr bürokratisch ein, während nur ein Prozent findet, dass dies nicht der Fall sei.

Wo der Schuh drückt

Als besonders schlimm werden die Bereiche Evaluierung/Überprüfung - etwa durch den TÜV, das Arbeitsinspektorat oder die AGES - wahrgenommen. Dort geben 84 Prozent an, "auf jeden Fall" oder "eher schon" bürokratische Hürden zu erleben.

Weiters finden sich die Lohnverrechnung, die Genehmigung zur Erweiterung von Produktions- und Arbeitsstätten (Betriebsanlagen, etc.) sowie die Einstellung von Mitarbeitern unter den am häufigsten genannten Bereichen, in denen Jungunternehmer mit übermäßiger Bürokratie konfrontiert sind. "Nach dem Motto: "16cm sind zu klein für 6" konnte ich in meinem Betrieb keinen sechsten Arbeitnehmer einstellen, da in einem Zimmer 16 Zentimeter zu wenig Raum war", illustriert Martin Puaschitz, Landesvorsitzender der JW Wien.

Ein Tag Bürokratie

Unter der bürokratischen Last leide ganz eindeutig die unternehmerische Tätigkeit. "Über drei Viertel der Befragten hält es oft oder manchmal von ihrer Haupttätigkeit ab. Im Durchschnitt werden 8,35 Stunden in der Woche mit Bürokratie verbracht. "Dadurch werden umfangreiche Ressourcen gebunden, welche die Jungunternehmer woanders besser investieren könnten", so Rohrmair-Lewis.

Ein weiteres Ergebnis: Die Bürokratie nimmt aus Sicht der Jungunternehmer zu. Acht von zehn Jungunternehmen sehen eine Unverhältnismäßigkeit beim Ausmaß der Bürokratie bei Behörden. Diese Situation entwickelt sich für knapp drei Viertel zum Negativen. Die Folgen der Bürokratie sind vielseitig: Für 80 Prozent der Befragten bedeutet sie weniger Innovation und über drei Viertel sehen dadurch einen geringeren Spielraum bei Investitionen.


Rohrmair-Lewis: "Momentan führt der Bürokratiewildwuchs zu einer Lose-Lose-Lose-Situation. Die Folgen für Wachstum und Beschäftigung sind verheerend. Wir fordern daher einen One Stop-Agency-Gründerservice."

Konkret sollen die 90 Gründerservice-Stellen der Wirtschaftskammer die Kompetenz zur Übermittlung von Firmenbuch-Anträgen bekommen. Die Beglaubigung könnte über die elektronische Signatur erfolgen. Außerdem bedürfe es der Abschaffung der Pflichtveröffentlichung in der Wiener Zeitung.

Vereinfachung wird erneut bei der Lohnverrechnung, Senken für die Lohnnebenkosten gefordert: Konkret regt die JW ein gemeinsames Verfahrensrecht für Steuern und Sozialversicherungen an und schlägt eine einheitliche Bemessungsgrundlage im Sozialversicherungs- und Lohnsteuerrecht vor. (APA, red, 26.09.2014)

  • Einen ganzen Tag pro Woche kostet laut Umfrage Jungunternehmer die Bürokratie
    foto: apa

    Einen ganzen Tag pro Woche kostet laut Umfrage Jungunternehmer die Bürokratie

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