Ausmusterung auf Sparflamme

26. September 2014, 14:25
197 Postings

Am Samstag werden 50 junge Offiziere in das Bundesheer übernommen. Auf den üblichen Pomp wird verzichtet, der Minister lässt sich entschuldigen

Wiener Neustadt - Der "Tag der Leutnante" gehört traditionell zu den Höhepunkten des Dienstbetriebs im Bundesheer: Feierlich werden am 27. September jene jungen Soldaten in den Offiziersstand aufgenommen, die in vierjähriger Ausbildung den Einjährig-Freiwilligen-Jahrgang überstanden und dann den Studiengang "Militärische Führung" absolviert haben.

Diese Ausmusterung findet heuer allerdings auf Sparflamme statt. Militärakademiker berichten, dass zu ihrer Ehrung vor allem die Schüler des Militärrealgymnasiums antreten werden - andere Truppen paradieren zu lassen kann sich das Bundesheer nicht mehr leisten.

Dabei war bisher die Übernahme der Offiziere in den regulären Dienst stets Anlass für eine Parade - in den letzten Jahren ohnehin oft die einzige, bei der die Streitkräfte zeigen konnten, was sie herzuzeigen haben. Oder: hatten. Denn inzwischen sind große Teile der Räderfahrzeuge ausgeschieden worden (wenn das "Pickerl" mehr als 2.000 Euro gekostet hätte, musste das Auto hergegeben werden), Panzer wurden eingemottet, Flieger lieber auf dem Boden belassen.

Selbst Übungsflüge zu teuer

In früheren Jahren galt es als Ehre, dass die jungen Offiziere mit einem Überflug einer Abfangjäger-Rotte geehrte wurden. Solche Flüge wurden als "Übungsflug" verbucht, also als Flugstunden, die die Piloten sowieso absolvieren mussten. Aber auch das ist nicht mehr zulässig.

"Die Parade hätte rund zwei Millionen Euro gekostet. Das können wir uns schlicht nicht mehr leisten", sagt ein Sprecher des Verteidigungsministeriums dem STANDARD. Auch Verteidigungsminister Gerald Klug (SPÖ) hat am Samstag Besseres zu tun, als die jungen Offiziere in die Armee aufzunehmen - es ist das erste Mal, dass der zuständige Minister bei der Zeremonie fehlen wird. Klugs Anwesenheit ist nämlich bei der Regierungsklausur in Schladming erforderlich, wo es nicht zuletzt um das Budget (mit dem das Bundesheer schon jetzt nicht mehr auskommt) gehen wird.

Sparpläne für das Militärgymnasium

Dem militärischen Standort Wiener Neustadt droht ohnehin noch weiteres Ungemach. Denn im Ministerium kursieren Pläne, das der Theresianischen Militärakademie vorgelagerte Militärrealgymnasium überhaupt aufzulösen - obwohl das Einsparungspotenzial besonders gering ist. Der Lehrkörper dort wird nämlich aus dem Unterrichtsbudget finanziert. Neuer Direktor des Gymnasiums wird übrigens mit 1. Oktober Werner Sulzgruber, der als Historiker profunde Kenntnisse der Geschichte von Wiener Neustadt hat und vor allem zu dessen jüdischer Vergangenheit geforscht hat.

Weniger Probleme dürfte es für die Fortbildung höherer Offiziere geben: Für die akademische Nachqualifikation der Generalstabsoffiziere (ihr Generalstabskurs ist mit einem Studium an der Universiät Wien verbunden) sollen weiterhin 1,6 Millionen Euro aus dem Heeresbudget an die Uni überwiesen werden. Für die jungen Fähnriche - 49 Soldaten und eine Soldatin des Jahrgangs "Freiherr von Trauttenberg", die am Samstag zum Leutnant befördert werden - gibt es immerhin einen Großen Zapfenstreich am Freitagabend. (Conrad Seidl, derStandard.at, 26.9.2014)

  • "Tag der Leutnante": Parade zu teuer, Minister entschuldigt.
    foto: apa/ herbert p. oczeret

    "Tag der Leutnante": Parade zu teuer, Minister entschuldigt.

Share if you care.