Freier Hochschulzugang: Die nicht ganz so heilige Kuh

29. September 2014, 05:30
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Sonderregelungen beschränken immer mehr Studiengänge. Eine der Ausnahmen soll demnächst verlängert werden

Er ist eine der heiligen Kühe der österreichischen Universitätspolitik: der "freie Hochschulzugang". Vor allem die SPÖ bemüht sich immer wieder zu betonen, ihn erhalten zu wollen. Dabei gibt es den umfassenden freien Hochschulzugang schon lange nicht mehr. Über die Jahre wurden viele Ausnahmen und Sonderregelungen eingeführt, die einen Fleckerlteppich zur Folge hatten. Der Leiter der Universitätenkonferenz (Uniko), Heinrich Schmidinger, hat sich deshalb zuletzt eine "pragmatische Gesamtlösung" für den Uni-Zugang gewünscht. Derzeit gibt es fünf Formen von Zugangsbeschränkungen.

  • Testlauf für Studienplatzfinanzierung:

Die jüngste Sonderregelung betrifft die Studienfelder Architektur, Biologie/Biochemie, Informatik, Wirtschaft und Pharmazie, betroffen sind 28 Fächer. Im Zuge des Testlaufs für die Studienplatzfinanzierung beschloss die Regierung im Februar 2013, für diese Studienfelder nur ein bestimmte Anzahl von Studienanfängern zuzulassen. Die Studierendenzahl orientiert sich dabei an jener des Vorjahrs. Im eben begonnenen Studienjahr erhielt jeder Prüfungsteilnehmer einen Studienplatz, weil viele der Angemeldeten nicht zur Prüfung erschienen. Die Gesetzesänderung tritt im März 2015 außer Kraft, wenn es keine Verlängerung oder Änderung gibt, läuft die Regelung dann aus.

  • Quotenregelung beim Medizinstudium:

Für das Medizinstudium stehen seit 2005 pro Studienjahr 1.500 Studienplätze zur Verfügung. Zudem gibt es eine eigene Quotenregelung: 75 Prozent der Plätze gehen an Studenten mit österreichischem Maturazeugnis, 20 Prozent sind für Bewerber aus der EU reserviert, die restlichen fünf Prozent stehen Kandidaten aus Drittstaaten zur Verfügung. Möglich ist das nur durch ein Memorandum der EU, die Österreich diese Quote gewährt, obwohl sie gegen EU-Recht verstößt. Der Ansturm auf den Medizintest ist besonders groß, in diesem Studienjahr nahmen fast 10.000 Bewerber daran teil.

  • "Notfallparagraf 124b"

Ebenfalls zur Entlastung von deutschen Studentinnen und Studenten dient der sogenannte Notfallparagraf 124b, der Zugangsbeschränkungen für jene Studien erlaubt, in denen in Deutschland der Numerus clausus gilt. Aufgrund dieses Paragrafen gibt es seit dem Jahr 2005 Aufnahmeprüfungen in Publizistik.

  • Qualitative Zugangsregeln

Für Sport- und Kunststudien sind die Studienplätze nicht beschränkt, die Studierenden müssen aber einen Eignungstest absolvieren.

  • Psychologie und Veterinärmedizin

Beschränkte Plätze und Aufnahmetests gibt es auch für Psychologie und Veterinärmedizin, hier gilt aber keine Quotenregelung für Österreicher.

Im Wissenschaftsministerium will man grundsätzlich die neuesten Zugangsbeschränkungen verlängern, die im Zuge des Testlaufs der Studienplatzfinanzierung eingeführt wurden. "Eine Verlängerung der bestehenden Regelungen ist jedenfalls sinnvoll, weil Zugangsregelungen zu einer bewussteren Studienwahl führen", heißt es in einer Stellungnahme des Ministeriums gegenüber derStandard.at. "Wir werden daher mit dem Koalitionspartner über ein Verlängerung der bestehenden Zugangsregelungen und auch über eine mögliche Ausweitung auf weitere Massenfächer verhandeln." Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) hat mehrfach den Wunsch nach einer Ausweitung auf die Rechtswissenschaften und einzelne Sprachfächer geäußert.

Die Österreichische HochschülerInnneschaft (ÖH) will diese neuen Hürden verhindern. "Unsere Aufgabe ist es jene Freiheit, die es noch gibt, zu bewahren", sagt der stellvertretende ÖH-Vorsitzende Florian Kraushofer in einer Stellungnahme zu derStandard.at. Die Lösung für die Kapazitätsengpässe an den Hochschulen ist für Kraushofer ein höheres Uni-Budget und eine qualitativ hochwertige Orientierungsphase am Beginn des Studiums und ausführliche Beratung in der Schule. (Lisa Kogelnik, derStandard.at, 29.9.2014)

  • Die Quotenregelung beim Aufnahmetest für das Medizinstudium wird von der EU toleriert.
    foto: apa/schlager

    Die Quotenregelung beim Aufnahmetest für das Medizinstudium wird von der EU toleriert.

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