Wenn Blau und Gelb nicht Grün ergeben

26. September 2014, 17:38
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Nach einer Retrospektive von Josef Bauer im Grazer Kunstverein gibt nun die Wiener Galerie unttld contemporary einen Einblick in sein spannendes Werk

Wien - Eigentlich sind es ja die Buchstaben, die man in der Arbeit von Josef Bauer "begreifen" soll: Sie werden herumgetragen, durcheinandergewirbelt und im wahrsten Sinne des Wortes als Träger von Bedeutung benutzt. Gleichzeitig fällt in der laufenden Ausstellung aber auch auf, dass in der Arbeit des 1934 in Wels geborenen Künstlers auch die Farbe nicht unwichtig ist: "zinnober, karmin, terra di siena, kadmiumrot, eisenoxydrot, permanentrot, terra pozzuoli" usw. steht da etwa in schwarzen Lettern auf einer weißen, quadratischen Tafel, und irgendwo hängt ein monochrom blaues Bild.

In der Tradition des Sprachspiels stehend hebt sich auf diesem das Wort "gelb" reliefartig ab und stellt den Betrachtern die Frage, ob das Visuelle oder doch die Wortbedeutung wichtiger ist.

Josef Bauer, der seit den späten 1960er-Jahren mit den unterschiedlichen Zeichensystemen experimentiert, konnte man zuletzt in einer großen Retrospektive im Grazer Kunstverein wiederentdecken. Nun hat der Leiter Krist Gruijthuijsen auch die Ausstellung in Wien kuratiert, wo man eine Auswahl der wichtigsten Werke des Künstlers sieht.

Gleich beim Eingang hängt etwa die Fotografie Taktile Poesie, Nackenstütze von 1967, die einen Mann in Interaktion mit einem unförmigen Gipsobjekt zeigt. In der Geschichte der jüngeren österreichischen Kunst hat man ganz ähnlich eingesetzte Objekte etwas später auch bei Franz West gesehen, der seine ersten Passstücke in den 1970er-Jahren hergestellt hat.

Angesichts der damals brennenden Themen ist diese Gleichzeitigkeit aber viel weniger erstaunlich als die Tatsache, dass Bauer bis dato vorwiegend in Oberösterreich ausgestellt hat.

Die Wiener Präsentation umfasst diesem Versäumnis entsprechend Arbeiten von 1967 bis heute, wodurch sie einen sehr schönen Einblick in sein poetisches Werk gibt - angefangen etwa bei den Buchstaben (1968), die auf langen Metallstangen sitzen, über die getrockneten, objekthaften Pinselstriche (1990) bis hin zu Z - T (2008), einer Installation, die sich in Form langgezogener Buchstaben an der Wand entlangstreckt.

Neben der visuellen und taktilen Dimension der Sprache hat den Künstler, der in Linz Malerei studierte, immer auch ihre performative Qualität interessiert: Auf einer Fotografie ringt ein Mädchen mit einem riesigen "K" und auf einer anderen hält ein Arm einen Stab in die Luft. Während ersteres Teil der Serie Körpergalerie (1974) ist, greift Bauer mit Letzterem auf sprachliche Gesten oder genauer: die Sprache des Herzeigens (1969) zurück.

Vom Buchstaben zur Narration

Bauers Auseinandersetzung mit Sprachmaterial wirkt im Untergeschoß insgesamt eher reduziert-analytisch, im oberen Stockwerk dringt aber auch seine Lust am Erzählen durch: Raum der Büglerin (1972-2014) ist dort eine Installation betitelt, in deren Zentrum ein altes, zum Teil bemaltes Bügelbrett steht. An der Wand hängen dazu passend die Dinge, die in so einem Zimmer zu finden sind: eine gelbe Socke, ein Kreuz oder auch eine Unterhose, die der Künstler auf eine Leinwand aufgespannt hat.

Ähnlich funktioniert auch der gleichnamige Diafilm: Die 32 Bilder zeigen modellhafte kleine Environments, in den neben Bauers skulpturalen und raumbildenden Fähigkeiten auch sein feiner Humor und sein Gespür für Atmosphären zum Ausdruck kommen. (Christa Benzer, DER STANDARD, 27.9.2014)

Bis 31.10., unttld contemporary, Schleifmühlgasse 5, 1040 Wien

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unttld contemporary

  • Als "Taktile Poesie" bezeichnet Josef Bauer seine Sprachkunstwerke, die man derzeit in der Galerie unttld contemporary entdecken kann.
    foto: galerie unttld contemporary

    Als "Taktile Poesie" bezeichnet Josef Bauer seine Sprachkunstwerke, die man derzeit in der Galerie unttld contemporary entdecken kann.

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