TÜV-Gutachten könnte Freistoßspray stoppen

26. September 2014, 12:54
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"9-15 fair play limit" dürfte mangels Zulassung nicht eingesetzt werden, Schiedsrichtern droht Ordnungswidrigkeitsverfahren - DFB gibt sich überrascht

Wien/Frankfurt - Die für Mitte Oktober geplante Einführung des Freistoßsprays in der deutschen Bundesliga scheint gefährdet. In einem von der "Bild"-Zeitung in Auftrag gegebenen Gutachten kam der deutsche TÜV zu dem Ergebnis, dass bei dem argentinischen Erzeugnis namens "9-15 fair play limit" einiges nicht passt.

"Es darf in Deutschland und in der EU nicht eingesetzt werden, weil es nicht zugelassen ist. In der gegenwärtigen Form kann es auch nicht zugelassen werden", sagte Greta Dau. Die Wissenschaftlerin vom TÜV Rheinland wies darauf hin, dass die bei einer neuntägigen Untersuchung festgestellte Treibhaus-Konzentration mit 33 Prozent "vielfach höher" liege, als es bei nicht gekennzeichneten Dosen erlaubt sei. Die Angabe der Nettofüllmenge entspreche nicht europäischen Vorgaben, außerdem fehle die Kennzeichnung mit dem Flammensymbol für hochentzündliche Produkte. Und nicht zuletzt: Die als Konservierungsstoff verwendeten Parabene stehen im Verdacht, hormonelle Reaktionen auszulösen.

Der DFB blieb ob dieser Hiobsbotschaft noch relativ gelassen. "Wir sind zuversichtlich, eine Lösung ohne Mängel zu finden", sagte Lutz Michael Fröhlich, Abteilungsleiter Schiedsrichter. Der Sachverhalt sei dem Verband neu und werde geprüft. Fröhlich bestätigte aber auch, dass man sich bereits seit Wochen mit anderen Anbietern in Gesprächen befinde, um Alternativen zu dem teuren Import aus Südamerika ausfindig zu machen.

Mit Bußen ist zu rechnen

Nach Meinung von TÜV-Mitarbeiterin Dau wäre mit "einem Ordnungswidrigkeitsverfahren und einer Geldbuße" zu rechnen, sollten Schiedsrichter wie geplant am achten Spieltag die Spraydose zücken. Nach der Premiere am 17. Oktober soll es auch auch im DFB-Pokal, beginnend mit der zweiten Runde am 28. Oktober, schäumen.

Anfang des Monats werden die deutschen Unparteiischen auf einem Lehrgang auf den Spray eingeschult. Danach wäre aus deren Sicht einem "zeitnahen" Einsatz nichts mehr im Wege gestanden.

Der Spray war im Sommer bei der WM in Brasilien verwendet worden, die Erfahrungen waren absolut positiv gewesen. In dieser Saison ist er schon fester Bestandteil der Champions League, der Europa League sowie der Primera División, der Premier League und der Ligue 1.

Die Einführung in Deutschland war nach Bedenken der Schiedsrichter bereits verschoben worden. Ursprünglich hätte schon zum Bundesliga-Start gesprayt werden sollen. (sid/red, 26.9.2014)

  • Alles andere als harmlos: Dem englischen Referee Jon Moss kommt in der Partie von Arsenal und Crystal Palace der Spray aus.
    foto: reuters/wermuth

    Alles andere als harmlos: Dem englischen Referee Jon Moss kommt in der Partie von Arsenal und Crystal Palace der Spray aus.

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