Nächster Anlauf von Valverde

27. September 2014, 22:15
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34-jähriger Spanier hat bereits fünf WM-Medaillen erfahren, Gold fehlt aber noch. Bei der Heim-WM soll es nun endlich klappen - Österreicher am Sonntag Außenseiter

Ponferrada - Völlig offen scheint der Ausgang des Straßenrennens der Herren zum Abschluss der Rad-WM in Ponferrada am Sonntag (10.00 Uhr). Die Fahrer - unter ihnen sechs Österreicher - müssen auf 254,8 Kilometern (14 Runden) eine Höhendifferenz von 4.284 m bewältigen, der Kurs bevorzugt aber weder Sprinter noch Kletterer.

Bernhard Eisel ist der erfahrenste Mann des österreichischen Sextetts, das einen Platz unter den besten Zehn anstrebt. Ein durchaus hohes Ziel, konnte ein solcher in der WM-Geschichte erst sieben Mal eingefahren werden. Allein vier dieser Erfolge gehen auf das Konto der Rad-Legende Max Bulla.

Eisel hat 2006 bei den Titelkämpfen in Salzburg als Elfter seine bisher beste Platzierung erreicht. Diesmal setzt er seine Erwartungen niedriger an. "Von den Favoriten bin ich weit entfernt, ich möchte versuchen, möglichst lange mitzufahren, ich kann nur pokern."

Für das Team sei aber etwas möglich, glaubt der 33-jährige Sky-Profi. "Wir sind gut aufgestellt, vielleicht können wir überraschen. Wir versuchen, im Finish noch zwei Leute vorne dabeizuhaben."

Form der Österreicher scheint gut

Riccardo Zoidl erwartet einen offenen Schlagabtausch. "Wenn man taktisch clever fährt, kann man da schon seinen Nutzen daraus ziehen", meinte der 26-jährige Oberösterreicher, dessen Schweizer Trek-Teamkollege Fabian Cancellara großen Kreis der Aussichtsreichen zählt. Der vierfache Weltmeister hat heuer zugunsten des Straßenrennens gar auf das Zeitfahren verzichtet. Zoidl selbst sei zum richtigen Zeitpunkt in Form gekommen. "Zuletzt habe ich vor allem versucht, meine Spitzigkeit zu verbessern", sagte er angesichts des kurzen, zweiten Anstiegs auf dem 18-km-Rundkurs. Dort könnte eine Vorentscheidung fallen.

Auch Matthias Brändle, der zweifache Etappensieger der Großbritannien-Tour, und Georg Preidler sind gut in Schuss. Der Vorarlberger könnte sich wie schon so oft einer Fluchtgruppe anschließen. Der Steirer, ansonsten im Giant-Team oft Helfer von John Degenkolb (GER) und Tom Dumoulin (NED), kann diesmal auf eigene Rechnung fahren. Die Debütanten Marco Haller (stark im Spirnt) und Patrick Konrad (starker Kletterer) ergänzen das Team von Nationaltrainer Franz Hartl.

Contador sagt ab

Gastgeber Spanien wartet schon seit dem dritten Titelgewinn von Oscar Freire 2004 auf einen Erfolg. Zum wiederholten Mal ruhen die Hoffnungen auf Alejandro Valverde. Der fünffache WM-Medaillengewinner (zweimal Silber, dreimal Bronze) hat mit 34 Jahren wohl die letzte Chance auf den Gewinn des Regenbogentrikots. 2012 und 2013 war der Movistar-Profi nach der Rückkehr von einer Dopingsperre zweimal Dritter gewesen.

Joaquim Rodriguez akzeptierte die Chefrolle seines Rivalen. Der Disput nach dem umstrittenen WM-Finish des Vorjahres, als der Portugiese Rui Costa dem spanischen Duo den Titel weggeschnappt hatte, scheint beigelegt. Alberto Contador hat zum Leidwesen von Teamchef Javier Minguez abgesagt. Der Kurs komme ihm nicht entgegen, sagte der Vuelta-Sieger. Olympiasieger Samuel Sanchez (2008) wurde nicht berücksichtigt.

Italien (vier Titel seit 2002, zuletzt 2008) fehlt diesmal ein Topfavorit. Denn Tour-Sieger Vincenzo Nibali hat seit Ende Juli nur fünf Rennen bestritten und laboriert zudem an einer kürzlich erlittenen Sturzverletzung. Er soll eine Equipe unterstützen, aus dem keiner herausragt. Australien fährt für den zuletzt höchst erfolgreichen Simon Gerrans.

Nicht frei von Problemen war im Vorfeld auch einer der Topfavoriten, der vierfache Vuelta-Etappensieger John Degenkolb. Der Deutsche musste wegen einer entzündeten Wunde Antibiotika nehmen.

"Ich bin super motiviert, aber sobald ich sehe, es macht keinen Sinn, ich komme nicht ins Finale, werde ich ein Signal geben", sagte der 25-Jährige. Seine Entzündungswerte im Blut haben sich stabilisiert, doch gut fünf Tage im Krankenbett doch Spuren hinterlassen. (APA/red - 27.9. 2014)

Ergebnisse der Rad-WM vom Samstag:

  • Straßenrennen Damen (127,4 km):

1. Pauline Ferrand-Prevot (FRA) 3:29:21 Std. - 2. Lisa Brennauer (GER) - 3. Emma Johansson (SWE) beide gleiche Zeit. Aufgegeben: Martina Ritter, Jacqueline Hahn (beide AUT)

  • Straßenrennen U19-Junioren (127,4 km):

1. Jonas Bokeloh (GER) 3:07:00 Std. Weiter: 26. Benjamin Brkic (AUT) gl. Zeit

Ergebnisse vom Freitag:

  • Straßenrennen U23-Herren (182 km):

1. Sven-Erik Byström (NOR) 4:32:39 Stunden - 2. Caleb Ewan (AUS) +7 Sek. - 3. Kristoffer Skjerping (NOR). Weiter: 37. Gregor Mühlberger alle gl. Zeit - 48. Felix Großschartner 1:03 Min. - 71. Michael Gogl 3:46 - 87. Sebastian Schönberger 11:48 - 93. Lukas Pöstlberger gl. Zeit

  • Straßenrennen U19-Juniorinnen (72,8km):

1. Amalie Dideriksen (DEN) 2:02:59. Weiter: 29. Angela Adelsberger (AUT) +15 Sek. - 64. Christina Schweinberger (AUT) 9:43 Min.

Die Weltmeister seit dem Jahr 2000:

2000 Plouay (FRA): Romans Vainsteins (LAT)
2001 Lissabon: Oscar Freire (ESP)
2002 Zolder (BEL): Mario Cipollini (ITA)
2003 Hamilton (CAN): Igor Astarloa (ESP)
2004 Verona: Oscar Freire
2005 Madrid: Tom Boonen (BEL)
2006 Salzburg: Paolo Bettini (ITA)
2007 Stuttgart: Paolo Bettini
2008 Varese: Alessandro Ballan (ITA)
2009 Mendrisio (SUI): Cadel Evans (AUS)
2010 Geelong (AUS): Thor Hushovd (NOR)
2011 Kopenhagen: Mark Cavendish (GBR)
2012 Valkenburg (NED): Philippe Gilbert (BEL)
2013 Florenz: Rui Costa (POR)

Rekord-Weltmeister (jeweils drei Titel):

Alfredo Binda (ITA): 1927, 1930, 1932
Rik van Steenbergen (BEL): 1949, 1956, 1957
Eddy Merckx (BEL): 1967, 1971, 1974
Oscar Freire (ESP): 1999, 2001, 2004

Beste Platzierungen von Österreichern:

5. Platz: Max Bulla 1931, Harald Maier 1985
6.: Max Bulla 1928
8.: Max Bulla 1929, Christian Pfannberger 2008
10.: Max Bulla 1930, Kurt Schneider 1952
11.: Bernhard Eisel 2006
13.: Gerhard Zadrobilek 1983
14.: Rene Haselbacher 2002
15.: Gerrit Glomser 2002
16.: Paul Popp 1987
18.: Rene Haselbacher 2006

  • Alejandro Valverde führt Spaniens Team an.
    foto: ap/de olza

    Alejandro Valverde führt Spaniens Team an.

  • Enges Finish beim Frauen-Rennen am Samstag: die Französin Pauline Ferrand Prevot holt Gold vor der Deutschen Lisa Brennauer und Emma Johansson aus Schweden. Die Italienierin Giorgia  Bronzini wird Vierte.
    foto: ap/prevot

    Enges Finish beim Frauen-Rennen am Samstag: die Französin Pauline Ferrand Prevot holt Gold vor der Deutschen Lisa Brennauer und Emma Johansson aus Schweden. Die Italienierin Giorgia Bronzini wird Vierte.

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