Chefermittler fordert Veröffentlichung seines FIFA-Korruptionsberichts

26. September 2014, 17:00
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Michael Garcia möchte, dass sein Bericht zu den Vorgängen rund um die WM-Vergaben für 2018 und 2022 öffentlich wird, Josef Blatter nicht

Der Chefermittler rund um mögliche Korruption bei der Vergabe der Fußball-Weltmeisterschaften an Russland (2018) und Katar (2022) erhöht den Druck auf die FIFA. Michael Garcia ließ von seiner Anwaltskanzlei ein Statement ausschicken, in der er die Veröffentlichung seines hunderte Seiten umfassenden Berichts forderte: "Ich denke, es ist jetzt nötig, dass das FIFA-Exekutivkomitee die Veröffentlichung erlaubt."

Eine Veröffentlichung widerspreche den geltenden Regeln, hieß es vor wenigen Tagen vom Vorsitzenden der Ethikkommission, Joachim Eckert. Eine Tatsache, die FIFA-Organe bei gegebenem Willen freilich ändern könnte. Eine Hürde sind Vertraulichkeits-Vereinbarungen, die mit 75 Zeugen getroffen wurden. Am Donnerstag hielt Eckert dann zumindest eine Veröffentlichung von Anklagesätzen für vertretbar. Er prüft den Bericht derzeit auf seine formale Richtigkeit.

Geht es nach FIFA-Prsädient Josef Blatter sollen die 350 Seiten nicht publik werden Das teilte er nach einer Sitzung des Exekutivkomitees am Freitag in Zürich mit. Kein Exekutivmitglied-Mitglied habe um eine Veröffentlichung gebeten, betonte Blatter.

Funktionäre fordern Transparenz

Das ist insofern erstaunlich, als dass im Vorfeld etwa der Jordanier Ali bin al-Hussein (FIFA-Vizepräsident) mehr Transparenz gefordert hatte. Auch sprachen sich DFB-Präsident Wolfgang Niersbach (er folgt 2015 Theo Zwanziger als "ExCo"-Mitglied nach") und der im Kommittee sitzende US-Verbands-Präsident Sunil Gulati hatte angekündigt, sich dafür einzusetzen.

Zahlreiche Funktionäre schlossen sich in den vergangenen Wochen den Rufen nach einer Veröffentlichung oder zumindest mehr Transparenz an - darunter Jérome Champagne (der Gegenkandidat von Joseph Blatter bei der FIFA-Präsidentenwahl 2015).

Bisher haben nur vier Personen die Ergebnisse von Garcias eineinhalbjährigen Ermittlungen zu Gesicht bekommen. Der US-Amerikaner hatte stets seine Unabhängigkeit betont. Internationale Medienbeobachter gehen davon aus, dass Sanktionen gegen diverse Personen vorgeschlagen werden werden. Dass die Beweise genügen, um die Vergabe der Weltmeisterschaften tatsächlich noch einmal zu überdenken, steht hingegen in Zweifel. (red, derStandard.at, 26.9.2014)

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