Finanz-Analphabeten: Wenig Ahnung vom Geld

26. September 2014, 14:01
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Geld ist unser täglicher Begleiter. Mehrmals pro Tag haben wir mit den Münzen und Scheinen Kontakt oder benützen Karten mit Zahlungsfunktionen. Wirklich Ahnung vom Geld haben aber nur wenige, zeigt eine US-Studie

Wien - Es sind drei Fragen, mit denen die US-Wissenschafterinnen Annamaria Lusardi von der George-Washington-Universität und Olivia S. Mitchell von der University of Pennsylvania ausgezogen sind, um das Wissen über Geld und Anlagen zu überprüfen. Wer die korrekte Antwort nicht weiß, ist laut den beiden Wissenschafterinnen ein Finanz-Analphabet. Hier die Fragen:

  • Frage 1: Angenommen, Sie haben 100 Dollar auf dem Konto bei einem Zinssatz von zwei Prozent. Wie hoch ist Ihr Kontostand nach fünf Jahren, wenn Sie das Geld nicht anrühren? A) mehr als 102 Dollar,
    B) exakt 102 Dollar,
    C) weniger als 102 Dollar,
    D) weiß nicht/ keine Antwort.

  • Frage 2: Stellen Sie sich vor, der Zins bei Ihrem Konto beträgt 1,0 Prozent, die Inflationsrate liegt bei 2,0 Prozent. Können Sie mit dem Geld nach einem Jahr
    A) mehr kaufen,
    B) genauso viel kaufen,
    C) weniger kaufen,
    D) weiß nicht/keine Antwort.

  • Frage 3: Der Kauf einer einzelnen Aktie ist in der Regel weniger riskant als der Kauf eines Aktienfonds. Ist diese Aussage
    A) richtig,
    B) falsch,
    C) weiß nicht.

Das Ergebnis: In den USA konnten 70 Prozent der Befragten nicht alle drei Fragen richtig beantworten, in Deutschland 47 Prozent, in Schweden lagen 79 Prozent bei zumindest einer Frage falsch, und in Russland konnten 96 Prozent nicht alle drei Fragen richtig beantworten. Die Zahl der Finanz-Analphabeten ist weltweit also ziemlich hoch.

In Österreich wurde die Befragung nicht durchgeführt - aufgrund bisheriger Ergebnisse bei ähnlichen Tests kann aber angenommen werden, dass Herr und Frau Österreich ähnlich schlecht abgeschnitten hätten.

Unwissen ist teuer

Die Studienautoren bezeichnen die Ergebnisse als "fatal". Denn jeder Bürger müsse sich immer wieder Gedanken zum Thema Geld machen und diesbezüglich Entscheidungen treffen. Der Schluss, den die US-Ökonominnen ziehen, lässt ebenfalls aufhorchen, denn Unwissenheit kostet Geld: Wer sich in Geldangelegenheiten wenig oder schlecht auskennt, nimmt laut Lusardi und Mitchell eher einen Kredit auf, spart weniger und zahlt oft höhere Gebühren für Finanzprodukte. Außerdem gäben viel Menschen zu viel aus oder würden die Konditionen ihrer Kredite gar nicht kennen.

foto: university of pennsylvania
Olivia S. Mitchell von der University of Pennsylvania. Sie und Studienpartnerin Annamaria Lusardi von der George-Washington-Universität fassen die Ergebnisse als "fatal" zusammen.

Die Studienautorinnen fordern mehr finanzielle Bildung - am besten schon in der Schule. Auch die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) mahnt zu mehr Bildung in diesem Bereich, denn die weltweiten Finanzmärkte stünden Privatanlegern derzeit so offen wie noch nie - das erfordere mehr Wissen der Anleger, um Risiken einschätzen zu können.

Zum Problem werde das Nichtwissen auch bei der Altersvorsorge. Denn zwischen der staatlichen Pension und dem Letztverdienst wird eine Lücke klaffen. Beim Versuch, diese zu schließen, werden die Bürger immer mehr in die Pflicht genommen - ihre Verantwortung für die Pensionsvorsorge steige laut OECD stetig. Seit Jahren wirbt die Finanzindustrie mit speziellen Produkten zum Schließen dieser Lücke. Wer solch ein Produkt kaufen will, sollte dieses aber auch verstehen, fassen Experten zusammen. (Bettina Pfluger, DER STANDARD, 26.9.2014)

Korrekt sind die Antworten 1) A, 2) C und 3) B.

  • Den Umgang mit Geld spielerisch lernen ist ein Weg. Experten beklagen, dass in den Schulen die Themen Wirtschaft, Geld und Finanzen zu wenig vorkommen.
    foto: ap/rick bowmer

    Den Umgang mit Geld spielerisch lernen ist ein Weg. Experten beklagen, dass in den Schulen die Themen Wirtschaft, Geld und Finanzen zu wenig vorkommen.

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