Paris Fashion Week: Urlaubsspaß bei Jacquemus, Elfenhaftes bei Rick Owens

26. September 2014, 13:37
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Der Höhepunkt der internationalen Modewochen ist mit den Modeschauen in Paris erreicht. In den vergangenen Tagen zeigten die ersten Designer ihre Kreationen

Anthony Vaccarello

Anthony Vaccarello hatte in dieser Saison schon einen großen Moment: In New York präsentierte er zusammen mit Donatella Versace seine erste Kollektion für Versus, die Zweitlinie von Versace. Die neuen Herausforderungen scheinen ihm gutzutun. Mit asymmetrisch hochgeschlitzten Miniröcken und Ausschnitten, die tiefer als tief blicken lassen, blieb er einerseits seiner sexy Signatur treu und erfand sich dabei trotzdem neu: grafische, überdimensionale Blockbuchstabenprints in Schwarz-Weiß gaben der Kollektion einen modernen, coolen Look, Sweatshirts mit Logodruck eine sportliche Seite. So lässig hat man Vaccarello noch kaum gesehen.

foto: ap/jacques brinon
foto: ap/jacques brinon

Jacquemus

Simon Porte Jacquemus sorgte bei seiner Show für Urlaubsstimmung. In der Mitte des quadratischen Laufstegs ließ er Sonnenschirme, Liegestühle, Schwimmreifen und Luftmatratzen stapeln. Und auch sonst bewies der blutjunge Franzose einmal mehr, dass Mode für ihn Spaß bedeutet. Ohne Rücksicht auf weibliche Formen und Tragbarkeit nähte er große Kreise, Quadrate und andere geometrische Formen auf Kleider, Jacken und Röcke. Doch so naiv und verspielt sein Sinn für Mode auch sein mag, Jacquemus behält die Zahlen im Blick. Seine Show teilte er clever in zwei Teile. Die kommerzielleren Stücke, weite Hosen mit Gummizug, kurze A-linienförmige Kleider und Oversize-Hemden mit eingenähten Bikini-Tops, stellte er an den Anfang, die eher eigenwilligen Stücke und dekonstruierten Schnitte als kreative Showelemente an den Schluss.

foto: apa/epa/ian langsdon

Dries Van Noten

Das erste Model war noch nicht über den grünen Moos-Wollteppich gelaufen, da war schon klar: Dries Van Noten, der Meister der Farb- und Mustermixe, war wieder einmal in Höchstform. Unter sanftem Vogelgezwitscher schwebten seine Models feenhaft über den handgefertigten Teppich der argentinischen Künstlerin Alexandra Kehayoglou.

Warme Bronze- und Erdtöne mischte Van Noten mit leuchtenden Regenbogenfarben, Brokatstoffe setzt er gegen grafische Streifenmuster. Anzughosen aus Organza, Bermudas, Sarouel-Hosen, Kleider aus wehenden Chiffonlagen: Jeder der fast 60 Looks überzeugte durch ein gekonntes Layering aus unterschiedlichen Farben, Stoffen und Mustern. Hübscher Bruch zum verträumten Ambiente: die weißen Sandalen mit Keilabsatz, die der Kollektion eine sportliche Note verliehen.

foto: ap/jacques brinon
foto: ap/jacques brinon

Rochas

In der letzten Saison hatte Alessandro Dell'Acqua die Nachfolge von Marco Zanini für Rochas angetreten. Nachdem seine erste Kollektion zum Teil ein bisschen schwer geraten war, brachte Dell'Acqua diesmal mehr Leichtigkeit ins Spiel. Weniger Pailletten und Klunker, dafür mehr Transparenz und luftige Stoffe. Einfache Seidenbänder dienten als Gürtel in der Taille, hochgeknöpfte Blusen waren lässig in die weiten, wadenlangen Röcke gesteckt.

Etwas gewöhnungsbedürftig waren nur die Stoffgürtel mit großem "R" auf der Metallschnalle. Sie waren oberhalb der Brust, kurz unter den Achseln über Kleider und Jacken geschnürt und sahen dort etwas fehl am Platze aus.

foto: reuters/charles platiau
foto: reuters/charles platiau

Carven

Schnell, rasant, vertikal und linear. So beschreibt Guillaume Henry den Spirit seiner neuen Kollektion für das Haus Carven und schickte dementsprechend seine Models über einen gelben Laufsteg mit schwarzem Rennstreifen in der Mitte. Ihre kastenförmigen Taschen trugen sie wie Motorradhelme unter dem Arm.

Klare Linien dominierten die Kollektion: vertikale, aber auch horizontale Streifen, mal in dicken, mal in schmaleren Blöcken. A-linienförmige Mini-Kleider mit Reißverschlüssen, aufgesetzten Taschen und großen Kragen erinnerten an die 60er-Jahre. Die vorherrschend knalligen Primärfarben Gelb, Rot und Blau kombinierte Henry mit viel Schwarz, japanischen Schriftzügen und Prints, Landschaftsdrucken und Details in Reptilienoptik.

foto: carven
foto: carven
foto: carven

Rick Owens

Rick Owens schlug sanftere Töne an. Sphärische Klaviermusik und das leise Geklapper der dicken Holzsandalen begleiteten die Models bei ihrem Weg über den Laufsteg. Seine Kriegerinnen in Ledertuniken hatte er diesmal gegen elfengleiche Wesen ausgetauscht, mit wilden fliegenden Haaren und in durchsichtige Tüllkleider gehüllt.

Wie schon bei der letzten Männerkollektion ließ Owens sich auch für die Frauen vom russischen Ballett inspirieren. Ob Tuniken, weite Bermudas oder Tube-Tops, fast die gesamte Kollektion bestand aus Tüll. Er kam gefaltet, gesmokt, im Knitterlook oder mit kunstvollen Wabenmustern – Rick Owens' moderne Vision vom klassischen Tütü.

foto: ap/michel euler
foto: ap/michel euler
foto: ap/michel euler

(Estelle Marandon, derStandard.at, 26.9.2014)

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