Krebs: Die Chemo als Therapiekiller

26. September 2014, 10:59
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Die Nebenwirkungen machen Patienten oft starke Probleme - Therapien müssen abgebrochen werden

Mehr als 500 von knapp 8.000 Krebspatienten beenden Chemo- oder Hormontherapien wegen der Nebenwirkungen vorzeitig. Das zeigt eine britische Studie, die auf dem Europäischen Krebskongress ESMO 2014 in Madrid vorgestellt wurde. Analysiert wurden Therapiedaten aus fünf europäischen Ländern (Großbritannien, Frankreich, Deutschland, Italien und Spanien).

"Die Nebenwirkungen einer Krebstherapie können erheblich sein. Damit ist es naheliegend, dass sie der häufigste Grund für den Abbruch einer Behandlung sind. Im Rahmen unserer Arbeit haben wir analysiert, unter welchen Tumoren die Patienten litten, welche Therapien angewendet wurden, und welche Nebenwirkungen sie entwickelten", erklärt Studienautorin Rheena Khanna, IMS Health, London.

Toxische Belastung

Durchgeführt wurde die Studie mit Daten aus dem Jahr 2013 aus einer Patienten-Datenbank, die auf vierteljährlichen Erhebungen bei Ärzten basiert. Analysiert wurden Diagnosen und Therapie-Nebenwirkungen von Patienten, die wegen Nebenwirkungen ihre Therapie abgebrochen haben. Da viele Patienten mehr als eine Nebenwirkung erlebten, können die errechneten Zahlen 100 Prozent überschreiten.

Insgesamt wurden für die Analyse Daten von 7899 Patientinnen und Patienten herangezogen, von denen 531 ihre Therapie wegen Unverträglichkeit vorzeitig beendet hatten.

Aus dieser Gruppe hatten 87 Prozent eine zytotoxische Chemotherapie und 13 Prozent eine Hormontherapie erhalten. Die häufigsten Diagnosen waren Brustkrebs (22 Prozent), Dickdarmkrebs (14 Prozent), und nicht-kleinzelliger Lungenkrebs (13 Prozent). Die häufigste Nebenwirkung war mit 36 Prozent Neutropenie (Blutbildveränderung), gefolgt von Übelkeit/Erbrechen (23 Prozent), Blutarmut (21 Prozent), Neuropathie (17 Prozent) und Schleimhautentzündung (15 Prozent).

Aus der Gruppe der Brustkrebspatientinnen, die ihre Therapie abbrachen, hatten 57 Prozent eine zytotoxische Chemotherapie und 43 Prozent eine Hormontherapie bekommen. Bei den Patientinnen unter Hormontherapie waren Schmerzen der häufigste Grund für den Therapieabbruch, gefolgt von Neutropenie.

Viele Patienten mit Darm- oder Lungenkrebs wurden mit platinhaltigen Chemotherapien behandelt und brachen die Behandlung wegen Übelkeit, Erbrechen und Neutropenie ab.

Konsequenzen daraus

"Aus dieser Studie geht hervor, dass die Verabreichung und Verschreibung von unterstützenden, sogenannten supportiven, Therapien und ihre Befolgung durch PatientInnen essentiell sind. Empfehlungen der europäischen Krebsgesellschaft ESMO geben den Wissenstand wider, nach dem solche Schritte zur Optimierung der Lebensqualität unter und nach Krebsbehandlung erfolgen sollten", kommentiert Christoph Zielinski, Vorstand der Klinik für Innere Medizin I und Leiter der Klinischen Abteilung für Onkologie, Medizinische Universtität Wien/AKH Wien.

In weiteren Untersuchungen soll geklärt werden, ob und in welchem Maße sich das Therapieergebnis durch den Abbruch verschlechterte. Daten zur Mortalität lassen sich aus der Datenbank von IMS Health, so Reena Khanna, indirekt ableiten.

Khanna: "Man kann diese Ergebnisse als Aufruf an die Ärzteschaft sehen, die verfügbaren Möglichkeiten zur Kontrolle der Nebenwirkungen von Krebstherapien voll auszunützen. Denn bei Patienten, die ihre Medikamente nicht nehmen, können wir auch von einem schlechteren Therapieergebnis ausgehen." Wie weit psychologische Strategien und bessere Beratung geeignet sind, die Therapietreue zu verbessern, lässt sich aus den verfügbaren Daten nicht ableiten. (red, derStandard.at, 25.9.2014)

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