Team Stronach auf der Suche nach mehr Emotion

26. September 2014, 08:11
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Gründer Frank Stronach wünscht sich neben der "sachlichen" Klubchefin Kathrin Nachbaur eine zweite, angriffigere Führungsfigur

Wien - Es war zwar ein Blitzbesuch von Frank Stronach, aber es gab kein lautes Gewitter beim Team Stronach, zumindest keines, das auch nach außen gedrungen wäre, als der Parteigründer Donnerstagabend bei der Eröffnung der Team-Stronach-Akademie vorbeischaute. Nach außen hin zeigte er sich zufrieden.

Nach innen allerdings gibt es, wie von den Beteiligten zuletzt auch recht unverblümt kommuniziert wurde, sehr wohl Unzufriedenheit. Ein Indiz dafür ist etwa der Rücktritt von Generalsekretär Marcus Franz. Der Arzt bleibt zwar Abgeordneter, will aber nicht mehr den "Kläffer" nach außen geben. Und im Übrigen äußerte er auch Kritik daran, dass der Parteichef nur die Hälfte seiner Zeit im eigentlichen Zielland seiner politischen Aktivitäten, also in Österreich, verbringe. Stronach könne ja Ehrenobmann des Team Stronach bleiben.

Aussprache nach "Meinungsverschiedenheiten"

Der Parteichef aus Kanada scheint sehr unzufrieden zu sein mit der Performance seines Teams. Auch wenn er wissen ließ, dass ihm Umfragen, die das Team Stronach derzeit weit weg von einem neuerlichen Einzug ins Parlament sehen, egal seien.

Stronach und Klubobfrau Kathrin Nachbaur bestätigten beide, dass es zwischen ihnen eine "Aussprache" gegeben habe. Aussprachen seien immer gut, meinte Stronach. Nachbaur stellte im Ö1-"Morgenjournal" am Freitag Berichte über ein Zerwürfnis mit ihrem Mentor aber in Abrede: "Wir verstehen uns besser denn je." Aber ja, es habe eine Aussprache gegeben, denn: "Wir hatten Meinungsverschiedenheiten."

Stronachs Wunsch nach einem starken Mann

Stronach wünscht sich nämlich einen starken Mann, der die Inhalte angriffiger vertritt. Wer das sein soll, werde man sehen - man habe gute Leute in der Partei.

Jedenfalls begibt sich das Team Stronach nun auf die Suche nach einer Persönlichkeit mit spezieller Qualifikation, wie Nachbaur im "Morgenjournal" sagte: "Meine Position ist unbestritten, aber es wäre auch gut, wenn jetzt zu meiner sachlichen Art noch jemand mit mehr Emotion dazukommt."

Daneben solle sich das Team wieder mehr auf sein "Alleinstellungsmerkmal" konzentrieren: "Das Land kann nicht nur von Berufspolitikern allein regiert werden."

Nix ist fix, außer die Steiermark

Für die nähere politische Zukunft ist nur eines fix beziehungsweise "unstreitig", wie die Klubchefin deckungsgleich mit dem Parteigründer sagte: Bei der Landtagswahl in der Heimat des Austrokanadiers Stronach, der Steiermark, wird das Team Stronach sicher antreten. "Den Rest wird Frank Stronach entscheiden."

Dieser will den Parteivorsitz "früher oder später" abgeben – eher später, deutete Stronach an, demnächst sei nämlich nicht damit zu rechnen, erklärte er: Das Team Stronach sei eine neue Partei, es brauche sehr viel Arbeit, bis alle Verständnis hätten. "Ich hoffe, dass der Samen aufgeht."

Nachbaur hofft zwar, dass das Team Stronach "für immer" bestehen werde, will selbst aber "maximal zwei Perioden", das wären zehn Jahre im Nationalrat, in der Politik bleiben.

Eine Akademie zum "Umidenken"

Das Motto der Parteiakademie, die mit einer Podiumsdiskussion zum Thema Bildung eröffnet wurde, lautet laut Akademiechefin Nachbaur übrigens: "Wir machen Wissen". Die Akademie sei da zum "Nachdenken, Vordenken, Querdenken, Neudenken, Mitdenken und auf gut Steirisch auch zum Umidenken". (nim, APA, derStandard.at, 26.9.2014)

  • Die Team-Stronach-Akademie hat eine weibliche Doppelspitze: Klubchefin Kathrin Nachbaur ist auch Akademiechefin, Ulla Weigerstorfer ihre Stellvertreterin.
    foto: apa/neubauer

    Die Team-Stronach-Akademie hat eine weibliche Doppelspitze: Klubchefin Kathrin Nachbaur ist auch Akademiechefin, Ulla Weigerstorfer ihre Stellvertreterin.

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