Zyperns Polizei zwang Flüchtlinge zum Verlassen von Kreuzfahrtschiff

26. September 2014, 12:15
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345 vor Zypern gerettete syrische Bootsflüchtlinge hatten sich geweigert, an Land zu gehen

Nikosia/Limassol - Freitagfrüh ist in Zypern eine dramatische Rettungsaktion für 345 mehrheitlich syrische Bootsflüchtlinge zu Ende gegangen. In der Nacht musste die zypriotische Polizei rund 280 der Geretteten in mühsamen Verhandlungen überzeugen, ein Kreuzfahrtschiff zu verlassen, welches die Menschen am Donnerstag aus ihrer Seenot gerettet hatte.

Passagiere des Dampfers, die Augenzeugen der Rettung geworden waren, berichteten von dramatischen Szenen. Das zypriotische Kreuzfahrtschiff Salamis Filoxenia war am Donnerstag mit rund 700 Passagieren an Bord auf dem Weg zur zypriotischen Hafenstadt Limassol, als es zur Rettung der Flüchtlinge aufgefordert wurde. Die zypriotischen Behörden hatten zuvor einen Notruf eines Flüchtlingsboots erhalten, das bei rauer See etwa 90 Kilometer südwestlich der Küstenstadt Paphos trieb und zu kentern drohte.

"Das Meer war schrecklich", sagte die Passagierin Chrystalla Eflatsoumis. Auf dem Kreuzfahrtschiff seien deshalb viele Passagiere seekrank gewesen. Als das Schiff dem kleinen, überfüllten Flüchtlingsboot zu Hilfe kam, sei dieses bereits drei Tage auf See gewesen. Eflatsoumis sah nach eigenen Angaben "viele schwangere Frauen und 20 Säuglinge" unter den Flüchtlingen. Ihr Ehemann Georgios Eflatsoumis sagte: "Wären wir nicht da gewesen, wären sie tot."

Nach Angaben des zypriotischen Verteidigungsministeriums wurden 345 Menschen von dem Boot geborgen, darunter 52 Kinder. Alle Geretteten waren dem Hafenchef von Limassol zufolge bei guter Gesundheit. Doch nach der Ankunft in Limassol waren nur einige Dutzend Flüchtlinge bereit, in das vorbereitete Auffanglager nahe der Hauptstadt Nikosia zu gehen. Rund 280 Gerettete forderten, stattdessen nach Italien gebracht zu werden, und blieben auf dem Kreuzfahrtschiff.

"Wir haben alles getan, um sie zu retten, wir haben ihnen zu essen gegeben und Hilfe geleistet, und jetzt wollen sie unser Unternehmen ruinieren", klagte der Chef der Kreuzfahrtgesellschaft Salamis Cruise Lines, Kikis Vassiliou. Schließlich ging die Polizei an Bord und überzeugte in mehr als sechs Stunden währenden Gesprächen die Flüchtlinge davon, das Kreuzfahrtschiff zu verlassen. Für 300 russische Passagiere auf dem Weg in die israelische Hafenstadt Haifa war die Kreuzfahrt in Limassol vorzeitig beendet.

foto: ap photo/petros karadjias

Das Kreuzfahrtschiff Salamis Filoxenia war von der griechischen Insel Syros nach Limassol unterwegs, als es ebenso wie ein Tankschiff unter maltesischer Flagge zu den Flüchtlingen beordert wurde. Der Direktor der Reederei Salamis Cruise Lines, Kikis Vassiliou, sagte im Radio, das Schiff habe die Flüchtlinge zur Mittagszeit erreicht. Die Besatzung habe die Erstversorgung der Menschen übernommen.

In Limassol, wo die Salamis Filoxenia am Abend erwartet wurde, richtete sich das Krankenhaus auf die Ankunft der Flüchtlinge ein. Die Menschen sollten nach ihrer Untersuchung in einem Armeelager nahe der Hauptstadt Nikosia untergebracht werden. Zypern liegt unweit des Bürgerkriegslands Syrien, aus dem inzwischen Millionen Menschen geflohen sind.

Konflikte im Nahen Osten

Die zahlreichen Konflikte im Nahen Osten sowie in Ost- und Zentralafrika haben 2014 eine beispiellose Zahl von Menschen in die Flucht getrieben. Allein nach Italien gelangten nach UN-Angaben seit Anfang des Jahres mehr als 100.000 Flüchtlinge. Wie die Menschenrechtsorganisation Terre des hommes am Donnerstag mitteilte, barg die italienische Marine in den ersten neun Monaten des Jahres 7.800 Kinder aus den Flüchtlingsbooten im Mittelmeer, davon 3.500 Kinder ohne Begleitung von Erwachsenen.

Nach Angaben von Terre des hommes erreichen jede Woche durchschnittlich etwa 800 Flüchtlinge die Stadt Syrakus auf der italienischen Insel Sizilien. "Die Aufnahmelager sind völlig überfüllt", hieß es in der Mitteilung. Seit Jahresbeginn kamen nach Angaben der Internationalen Organisation für Migration etwa 3.000 Menschen bei ihrer Flucht über das Mittelmeer ums Leben. (APA, 26.9.2014)

  • Die Polizei zwang die Flüchtlinge, das Kreuzfahrtschiff wieder zu verlassen.
    epa/stringer

    Die Polizei zwang die Flüchtlinge, das Kreuzfahrtschiff wieder zu verlassen.

  • Die meisten von ihnen hatten sich geweigert, an Land zu gehen - sie forderten, nach Italien gebracht zu werden.
    epa/stringer

    Die meisten von ihnen hatten sich geweigert, an Land zu gehen - sie forderten, nach Italien gebracht zu werden.

  • Die Rettungsaktion wurde eingeleitet, nachdem ein Notruf eingegangen war.
    ap photo/haris milonas

    Die Rettungsaktion wurde eingeleitet, nachdem ein Notruf eingegangen war.

  • 345 Menschen befanden sich auf dem in Seenot geratenen Boot - darunter 52 Kinder.
    ap photo/haris milonas

    345 Menschen befanden sich auf dem in Seenot geratenen Boot - darunter 52 Kinder.

  • Das Flüchtlingsschiff war in Seenot geraten.
    foto: ap/cyprus defence ministry

    Das Flüchtlingsschiff war in Seenot geraten.

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