Der unorthodoxe Weg des Christopher Trimmel

Gespräch26. September 2014, 09:00
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Der Traum vom Ausland führte den 27-jährigen Burgenländer von Rapid zu Union Berlin. Dort ist der einstige Stürmer als Verteidiger gesetzt. Der Akademie der bildenden Künste sei Dank

Wien/Berlin - Christopher Trimmels Karriere fällt in die Kategorie ungewöhnlich. Seit Sommer ist er in der zweiten deutschen Bundesliga bei Union Berlin engagiert. Dieser Klub passt ins Schema, der Verein ist ganz speziell, hat sich einen gewissen Charme, eine Bodenständigkeit bewahrt. Den Kommerz überlassen die Berliner gerne oder auch notgedrungen RB Leipzig und anderen.

Im Alter von 20 Jahren kickte Trimmel noch in der burgenländischen Landesliga, finanzierte sich sein Lehramtsstudium in Geografie und Sport. Die Akademie der bildenden Künste hat ihn nicht genommen, 2008 wurde er dafür von Rapid entdeckt, eine durchaus interessante Alternative. Zu Beginn lief er bei den Amateuren als mit Abstand Ältester ein. Die Profikarriere hatte nicht einmal im Hinterkopf Platz. "Mein Weg wird in Zukunft nicht mehr möglich sein. Ich war in keiner Akademie, hatte fußballerische Defizite. Dafür musste ich mich aber im Burgenland schon als 15-Jähriger gegen 30-Jährige durchsetzen."

Besser spät, als nie

Technisch war er in Hütteldorf anfangs fast allen unterlegen. Wie gut beherrscht Christopher Trimmel den Ball jetzt? "Ich habe mich schon extrem weiterentwickelt. Selbst mit 27 verbessere ich mich noch, vor allem bei Flanken. Die waren früher ein großer Schwachpunkt von mir. Der Arbeitsmarkt ist auch im Fußball angespannt, es ist kein Wunschkonzert. Was bringt das ganze Geld, wenn ich mich nicht weiterentwickle?"

Trimmel hat quasi die Evolution eines Fußballer rückwärts erlebt. Angefangen in der Jugend als Stürmer, wurde er später ins Mittelfeld und schließlich in die Verteidigung beordert. Bei Rapid hat er drei Trainer (Pacult, Schöttel, Barisic) er- und auch überlebt. Die Mechanismen hat er rasch durchschaut, früh verstanden. "Ob der Trainer viel oder wenig mit dir redet, ist in Wahrheit völlig wurscht. Ich habe immer schnell gemerkt, was der Trainer verlangt. Und ich habe nie die Schuld beim Trainer gesucht, wenn ich nicht gespielt habe."

Bei Union, dem Arbeiterklub aus dem Osten Berlins, ist Trimmel als rechter Außenverteidiger gesetzt. Die Mannschaft und die Trainerbank wurden durcheinandergewirbelt, Norbert Düwel ersetzte Uwe Neuhaus als Coach, der Saisonstart verlief mit nur sechs Punkten aus sieben Spielen mäßig bis schlecht. Die zweite deutsche Liga ist professionell wie noch nie, Trimmel wird vor jedem Spiel kaserniert. "Das ist weniger lustig." Die Dichte ist extrem hoch. Paderborn begann letztes Jahr katastrophal, stieg noch auf und ärgert jetzt Klubs in der ersten Bundesliga.

Kein Sand

Den Kopf in den Sand steckte Trimmel nie, es gab ja auch keinen wirklichen Grund. Mit Ausnahme der zweiten Saison bei Rapid unter Peter Pacult im Jahr 2011. Da wurde er seine Joker-Rolle einfach nicht los. "Ich war kurz davor, das Gespräch zu suchen, damit ich verliehen werde. Dann wurde Pacult entlassen und mit den neuen Trainern Barisic, Schöttel und dann wieder Barisic bekam ich eine neue Chance, mich zu beweisen."

Jetzt also Berlin. Union sei ein "geiler Klub, vergleichbar mit Rapid". Ein ehemaliger Scout aus Hütteldorf hat Trimmel in einem Interview einst als "sehr deutschen Spieler" bezeichnet, das Tiki-Taka sei seine Sache nicht. Trimmels Spaß daran, sich zu schinden, goutieren allerdings auch die Fans. "Mein Vater hat mich Disziplin gelehrt. Wenn du alles gibst, merken das auch deine Mitspieler und die Anhänger."

Ein Wunschtraum wäre natürlich, einmal eine Etage höher in Deutschland zu spielen. Und nach der Karriere, auf die lange Zeit nichts hindeutete? "Andere sammeln Autos, ich möchte tätowieren." (Florian Vetter, DER STANDARD, 26.9.2014)

  • Der Mann schindet sich gerne. Und die Fans sehen mit Freude dabei zu:  "Wenn du alles gibst, merken das auch deine Mitspieler und die  Anhänger."
    foto: union berlin/stefan hupe

    Der Mann schindet sich gerne. Und die Fans sehen mit Freude dabei zu: "Wenn du alles gibst, merken das auch deine Mitspieler und die Anhänger."

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