Schulpolitik "an sich" ohne "Nichtveränderung"

25. September 2014, 17:38
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SPÖ und ÖVP wollen auch über Bildung reden - machen aber ein Geheimnis daraus

Sie werden über Bildung reden. Ja. Das bestätigen beide Regierungsparteien vor der Klausur in Schladming. Aber ansonsten gilt die neue rot-schwarze Vertraulichkeit: "Ich kann Ihnen nichts verraten", sagte etwa SPÖ-Klubobmann Andreas Schieder zum STANDARD. Und auch in den Büros von Bildungsministerin Gabriele Heinisch-Hosek (SPÖ) und von Wissenschaftsminister Reinhold Mitterlehner war man dazu am Donnerstag wortkarg.

Die neue Linie lautet: nicht an Einzelthemen aufreiben, sondern ein Gesamtkonzept erarbeiten.

So ein heikles Einzelthema ist die gemeinsame Schule, auf der die SPÖ, so Schieder, "an sich schon" beharrt: "Alle internationalen Modelle zeigen, dass das der richtige Weg ist." Ob das mit der ÖVP machbar ist, wird die Klausur eher nicht belasten, zu gering ist die Chance auf eine Einigung.

Allerdings, deutete der neue ÖVP-Chef bei der Klubklausur der Volkspartei an, wird sich seine Partei in der Schulpolitik bewegen - müssen. Mitterlehner: "Wenn der erste Satz ist: ,Das Gymnasium muss bleiben', dann entdeckt der Wähler bei uns nur den Ansatz der Nichtveränderung." Festlegungen gleich zu Beginn einer Debatte seien da nicht hilfreich, gehe es doch insgesamt um eine Weiterentwicklung: "Das wird uns noch fordern."

Fordern könnte die Koalition ein durch ein STANDARD-Interview von Harald Mahrer, Staatssekretär in Mitterlehners Ressort, angezogenes Thema: Mahrer hat sich für eine akademische Ausbildung der Kindergartenpädagoginnen und -pädagogen ausgesprochen.

Familienministerin Sophie Karmasin (ÖVP) ist dagegen und sagte am Donnerstag im Parlament, die Ausbildungssituation sei sehr gut. Sie setze sich für eine Erweiterung der tertiären Ausbildung ein, derzeit sei eine akademische Ausbildung aller Elementarpädagoginnen aber nicht sinnvoll.

Auf STANDARD-Anfrage sagte Heinisch-Hosek, dass mit der neuen Pädagogenbildung die Voraussetzungen geschaffen seien, Unis und PHs müssten Studienangebote machen - und die Länder die - noch nicht akademischen - Anstellungserfordernisse für Kindergartenpädagoginnen ändern.

Derzeit gehen nur 41 Prozent der Absolventinnen einer Bundesanstalt für Kindergartenpädagogik (Bakip) in den Beruf, sagt Heide Lex-Nalis von der Plattform Educare, selbst zehn Jahre Bakip-Direktorin: "In Wien sind es sicher nur 30 Prozent." Die anderen gehen an die Uni und studieren. Ihre Schlussfolgerung: Bakips auflösen, spätere Berufsentscheidung und Uni-Ausbildung. (völ, cs, nim, DER STANDARD, 26.9.2014)

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