Kärnten: Asylwerber nach Zwangsfixierung geschädigt

25. September 2014, 17:32
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Prozess um Thromboseopfer - Noch heute leidet der Georgier an den Dauerfolgen

Klagenfurt - Am Donnerstag ging am Landesgericht Klagenfurt ein brisanter Zivilprozess zu Ende. Der abgewiesene Asylwerber David S. hatte die Republik und die Kärntner Krankenanstalten Betriebsgesellschaft (Kabeg) geklagt. Das Urteil von Richter Gunter Schmoliner ergeht schriftlich.

Der damalige Schubhäftling, der heute in Österreich nur geduldet ist, soll - wie der STANDARD berichtete - wegen seines Hungerstreiks im Klinikum Klagenfurt zwangsbehandelt und so stark ans Bett fixiert worden sein, dass er eine massive Becken-Beinvenen-Thrombose erlitten haben soll.

Noch heute leidet der Georgier an den Dauerfolgen, hat chronische Schmerzen und muss lebenslang Blutverdünner nehmen. Er hat auf Schmerzensgeld und Feststellung geklagt und einen Vergleich abgelehnt.

David S. geht es nicht primär um Geld, sagt sein Anwalt Peterpaul Suntinger. Er wolle in erster Linie die Verantwortlichkeit der Ärzte auf der psychiatrischen Abteilung des Klinikum Klagenfurt aufzeigen.

Schwerwiegende Vorwürfe

Der Gerichtsgutachter erhob schwerwiegende Vorwürfe gegenüber den behandelnden Medizinern. Demnach sei das stundenlange Festschnallen an Händen, Beinen und Bauch über Nacht unnötig gewesen, da der Patient bereits nach einer halben Stunde Fixierung "freiwillig getrunken und gegessen habe".

Schon vor der Fixierung seien alarmierende Laborwerte vorgelegen, die nach dem zwölftägigen Hungerstreik eine "schwere Austrocknung und Eindickung des Blutes dokumentiert" hätten. In einem solchen Fall sei ein Patient sofort in die Intensivstation einzuweisen, heißt es im Gutachten.

Doch man habe David S. trotz schwerer Bein- und Bauchschmerzen tagelang nicht adäquat behandelt. In dieser Zeit bestand Lebensgefahr durch eine mögliche Embolie. Erst rund eine Woche später, nachdem S.' Wiener Arzt empört im Klinikum interveniert hatte, wurde der Blutverdünner Lovenox verabreicht.

Vonseiten der Kabeg und der Republik Österreich wurde eingewandt, dass der Asylwerber an einer Gefäßanomalie leidet, die eine Thrombose begünstigt habe. Eine Kausalität im Zusammenhang mit der Behandlung sei daher nicht abzuleiten. (Elisabeth Steiner, DER STANDARD, 26.9.2014)

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