Der Job als ein Projekt von vielen

25. September 2014, 13:28
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Karrierebewusste Performer werden weniger, so genannte Digitale Individualisten übernehmen. Das bedeutet: Arbeit ist kein Selbstzweck mehr

"Die Jugendlichen" gibt es nicht - vielmehr sind es verschiedene Gruppen mit ganz eigener Motivation und Wertehaltung, die den Block der 14- bis 29-Jährigen in Österreich stellen. Einen Blick auf ihre Lebenswelten sowie Einstellung zu Arbeit und Mobilität warfen die Meinungsforschungsinstitute Integral und tfactory in einer Befragung, deren Ergebnisse am Donnerstag in Wien präsentiert wurden.

Sechs "Jugendmilieus" wurden demnach identifiziert: Konservativ-Bürgerliche, Postmaterielle, Performer, Digitale Individualisten, Adaptiv-Pragmatische und Hedonisten. Die befragten Jugendlichen und jungen Erwachsenen hätten ihre prägendste Zeit in den Jahren ab 2000 erlebt, erklärten Jugendforscher Bernhard Heinzlmaier, tfactory-Geschäftsführer und Bertram Barth, Integral-Geschäftsführer. Zwei Erfahrungen seien wesentlich: "Einerseits die - vor allem auch mediale - Präsenz dauerhafter großer Krisen wie die Dot-Com-Blase, 9/11, Terror, der Irakkrieg oder Finanz- und Wirtschaftskrisen. Auch wenn sie persönlich davon nicht betroffen sind - sie haben das Gefühl, die Welt rundherum ist nicht mehr beherrschbar".

Theoretisch viele Chancen

Andererseits stünde dieser Generation - rund 23 Prozent der Bevölkerung - zwar eine Überfülle an Optionen zur Verfügung, gleichzeitig habe sie weniger reale Chancen als die Generationen vor ihr. "Sie sind die ersten, die hören, dass sie diesen Lebensstandard nicht halten werden können", erklärte Barth. Die Reaktion darauf sei ein "Re-grounding", eine Rückbesinnung auf alte Werte und eine Distanz zu Ideologien und der Gesellschaft als Kollektiv. "Man schaut auf sich selbst", so Heinzlmaier. Auch das Leben "im Stream" der virtuellen, schnelllebigen Welt sei bezeichnend, wo Präsenz und Selbstdarstellung zählten.

Bindung wird schwierig

Der derzeit im Arbeitsleben vorherrschende karrierebewusste "Performer" werde künftig vom "digitalen Individualisten" abgelöst. Dieser ebenso leistungsbereite Typus suche jedoch Unkonventionalität und betrachtet Arbeit als "Projekt" - eines neben vielen. "Er glaubt weder an Sozialpartnerschaft noch an den Neoliberalismus", so die Experten. Auch die Adaptiv-Pragmatischen würden der Arbeitswelt ihren Stempel aufdrücken. Sie repräsentieren den modernen Mainstream: Familienorientiert, flexibel, fleißig, angepasst und nie aus dem Rahmen fallend. Die Identifikation mit einem Unternehmen spielt keine Rolle mehr. "Arbeitgeber werden es schwer haben, Mitarbeiter an sich zu binden", meinen die Forscher.

Eine neue Lust am Teilen brachte die Umfrage ebenfalls zum Vorschein. So weisen über 50 Prozent der Befragten eine positive Einstellung zu Sharing-Modellen - von Musik über Auto bis hin zum Wohnen - auf.

Für die Untersuchung wurden 32 mehrstündige Interviews sowie 1.000 Online-Befragungen durchgeführt. (APA, red, 25.09.2014)

  • Denise (18) bei der Holzbearbeitung im Space Lab. Was ihre Generation will? Jedenfalls nicht mehr das ganze Leben einem Job unterordnen.
    foto: robert newald

    Denise (18) bei der Holzbearbeitung im Space Lab. Was ihre Generation will? Jedenfalls nicht mehr das ganze Leben einem Job unterordnen.

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