Ex-Fußballtrainer Kronjäger gestorben

25. September 2014, 10:28
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Der Steirer war ein Weltenbummler, Querdenker und zuletzt auch Buchautor. Er wurde 61 Jahre alt

Graz – Sein letzter Eintrag auf Twitter stammt vom 11. September: "Danke, Freunde, einfach Danke". Am Mittwochabend ist der ehemalige Fußballtrainer Helmut L. Kronjäger im Alter von 61 Jahren in Graz verstorben.

Kronjäger, der am 30. Juni 1953 in Graz geboren wurde, war ein Weltenbummler in Sachen Fußball. Im Königreich Bhutan war der Steirer 2007 als Teamchef und Trainerausbildner tätig. Danach verschlug es ihn nach Sri Lanka und auf die Salomonen. In Österreich war er unter anderem von Juni 2000 bis April 2001 Cheftrainer der SV Ried in der Bundesliga. Danach fungierte er als Sportdirektor des steirischen Fußballverbandes, sowie als Co-Trainer diverser ÖFB-Nachwuchsmannschaften. Als Spieler kickte er unter anderem bei Austria Graz, Sturm Graz, Gratkorn und bei den Amateuren des VfB Stuttgart.

"Versprochen. Ich gebe niemals auf."

Kronjäger war immer wieder mit schweren Krankheiten konfrontiert. 1979 wurde bei ihm Blutkrebs diagnostiziert, 1994 Brustkrebs und 2012 Lymphknotenkrebs.

Der Steirer ging offen mit seiner Erkrankung um. Auf Twitter ließ er seine Follower an seinem Leidensweg, aber auch an positiven Momenten teilhaben. Am 5. September postete er: "Ich habe eine 30-prozentige Überlebenschance. Werde um jedes weitere Prozent kämpfen. Versprochen. Ich gebe niemals auf."

Im April 2014 erschien seine Biografie "Das L steht für Leben". Der Sportjournalist Markus Geisler, Co-Autor des Buches, hatte Kronjäger davon überzeugt, seine Geschichte zu veröffentlichen. "Ich habe immer Tagebücher geführt, ich habe praktisch jedes Fußballtraining aufgezeichnet. Nach der Diagnose Lymphknotenkrebs habe ich sehr bewusst mit dem Schreiben begonnen", sagte Kronjäger dem STANDARD in einem Interview im Mai.

Der Fußball, sagte er noch, lasse zu wenig Visionen zu. "Mit Visionen zu arbeiten ist so, als würdest du in einer Gummizelle mit dem Kopf permanent gegen die Wand rennen." Kronjäger blitzte etwa mit dem Vorschlag ab, eine Seniorenmeisterschaft in der Steiermark einzuführen.

Er war in zweiter Ehe verheiratet, hinterlässt eine Tochter, die erst kürzlich heiratete. "Ich habe die Tochter dem Gatten gefreit. Es war ein Ziel. Erreicht. Sogar die Brautvaterrede gehalten", twitterte er am 8. September.

Im Vorwort seines Buches heißt es: "Aber ich habe keine Angst mehr vor dem Tod." (red, derStandard.at, 25.9.2014)

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