Quartiernot: Bund stellt 600 Asylplätze in Wien zur Verfügung

25. September 2014, 10:28
511 Postings

Neben einem ehemaligen Behördengebäude in Erdberg soll die frühere Wirtschafts-Uni genutzt werden

Wien - Die Bundesimmobiliengesellschaft (BIG) stellt in Wien-Erdberg 600 Plätze für Flüchtlinge zur Verfügung. Das gab Vizekanzler und Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) im Rahmen der ÖVP-Klubtagung am Donnerstag bekannt. Die Unterkunft könne ab Montag bezogen werden, sagte Mitterlehner. Es handle sich um eine sofortige Hilfestellung des Bundes, mit dem Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) habe er bereits gesprochen. Dieser sei damit einverstanden, wenn es sich um eine Lösung auf vier Monate handle: "Das hilft uns."

Auch ehemaliges WU-Gebäude im Gespräch

Nach zwischenzeitlichen Irritationen haben sich Donnerstagnachmittag Mitterlehner und Häupl auf die Art der Übergangsquartiere in der Bundeshauptstadt verständigt. Demnach wird neben einem ehemaligen Behördengebäude in Erdberg auch die frühere Wirtschafts-Uni genutzt werden.

In Erdberg stehen ab Montag maximal 350 Plätze zur Verfügung. In der ehemaligen Wirtschaftsuniversität finden bis zu 250 Asylwerber Platz, sobald die Räumlichkeiten nach den österreichweit geltenden Qualitätsrichtlinien adaptiert sind. Die Bundeshauptstadt helfe damit dem Bund aus der augenblicklichen Engpasssituation für eine Dauer von vier Monaten, heißt es in einer gemeinsamen Aussendung der beiden Politiker. In dieser Zeit seien die entsprechenden Folgequartiere österreichweit zu schaffen. Die Kosten für die Übergangsquartiere trägt der Bund.

Ursprünglich Studentenheim geplant

Eigentlich plante die BIG, aus dem früher von der Zollwache genutzten Gebäude ein Studentenheim zu machen. Im "Sinne der Solidarität" sei dieses Vorhaben zurückgestellt worden, sagte Mitterlehner. Das Gebäude sei in gutem Zustand und mit Vierbettzimmern ausgestattet.

Aus dem Innenministerium hieß es am Donnerstag, dass man mit den neuen Plätzen vor allem eine weitere Unterbringung in Turnsälen vermeiden wolle. Zudem soll das Zusatzquartier zur Entlastung der Erstaufnahmezentren dienen.

In Erstaufnahmezentrum Traiskirchen (Niederösterreich) waren am Mittwoch 1553 Flüchtlinge untergebracht, in Thalham (Oberösterreich) 167. In der Bundesbetreuungsstelle Bad Kreuzen (Oberösterreich) kommen derzeit 215 Asylwerber unter.

Mikl-Leitner pocht auf Quartiere in Ländern

Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) zeigte sich über die neue Großunterkunft erfreut. Dennoch pochte sie auf die Schaffung weiterer Quartiere in den Bundesländern.

Sie bekräftigte auch neuerlich, die Regelung zum Arbeitsmarktzugang für Asylwerber nicht ändern zu wollen. "Ich halte es wie der Sozialminister (Rudolf Hundstorfer, SPÖ), dass wir ausreichende Regelungen haben, um einer Beschäftigung nachkommen zu können." Die Asylverfahren dauern derzeit rund drei Monate. Sobald ein Schutzstatus zuerkannt wurde, habe die betroffene Person "vollen Zugang" zum Arbeitsmarkt wie jeder österreichische Staatsbürger, erklärte die Ministerin am Rande der ÖVP-Klubtagung.

Während eines laufenden Verfahrens haben Asylwerber die Möglichkeit, etwa als Saisonarbeiter tätig zu sein. Hierfür gebe es ein Kontingent des Sozialministeriums von 10.000 Plätzen. Dieses wird laut Mikl-Leitner bei weitem nicht ausgeschöpft: Nicht einmal 1.000 würden es nutzen.

Regelung "vorbildlich"

Die Ministerin betonte, dass die österreichische Regelung "vorbildlich" sei und von Deutschland übernommen werden solle: "Wir haben eine gute Regelung."

Grundsätzlich pochte sie auch auf eine gerechte Verteilung von Flüchtlingen, um die "Schieflage" zu verändern. Diese "Schieflage" bestehe auch in der EU. Sie werde daher beim Innenministerrat am 10. Oktober eine Quotenregelung fordern. (APA, 25.9.2014)

  • Die geplante Flüchtlingsunterkunft in der Erdbergstraße 186.
    foto: standard/cremer

    Die geplante Flüchtlingsunterkunft in der Erdbergstraße 186.

  • Sie soll 600 Menschen Herberge bieten.
    foto: der standard/cremer

    Sie soll 600 Menschen Herberge bieten.

  • Innenaufnahmen des Gebäudes in der Erdbergstraße.
    foto: standard/cremer

    Innenaufnahmen des Gebäudes in der Erdbergstraße.

  • Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, der für die Bundesimmobiliengesellschaft zuständig ist, stellt 600 Plätze für Asylwerber zur Verfügung.
    foto: apa/helmut fohringer

    Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner, der für die Bundesimmobiliengesellschaft zuständig ist, stellt 600 Plätze für Asylwerber zur Verfügung.

  • Vor allem aus Syrien müssen derzeit Tausende Menschen flüchten
    foto: ap

    Vor allem aus Syrien müssen derzeit Tausende Menschen flüchten

Share if you care.