Italien griff seit Oktober 91.000 Migranten im Mittelmeer auf

25. September 2014, 10:15
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500 Leichen geborgen - 1.446 Personen vermisst

Rom/Brüssel - Seit Beginn der Kontrollmission im Mittelmeer zur Rettung von Flüchtlingen im vergangenen Oktober hat die italienische Marine 91.000 Menschen in Sicherheit gebracht. 500 Leichen von bei der Seefahrt verstorbenen Migranten wurden seitdem geborgen, 1.446 Menschen werden noch vermisst, wie das Innenministerium mitteilte. 294 Personen wurden wegen Schlepperei festgenommen.

Die Flotte aus sieben Schiffen der italienischen Marine, die täglich im Mittelmeer zur Rettung der Flüchtlinge patrouillieren, kontrolliert einen Raum von 71.000 Quadratmetern, was drei Mal der Fläche Siziliens entspricht. 920 Militärs beteiligen sich an dem Einsatz.

Mare Nostrum kostet neun Millionen pro Monat

Die Mission "Mare Nostrum" hatte am 18. Oktober nach zwei Schiffsunglücken vor Lampedusa mit mehr als 360 Toten begonnen. Sie kostet den italienischen Staat neun Millionen Euro pro Monat. Vor allem die Zahl der Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien hat in den vergangenen Monaten dramatisch zugenommen.

Italien rechnet, dass heuer 150.000 Flüchtlinge nach Seefahrten über das Mittelmeer die süditalienische Küste erreichen werden. Seit dem 1. Jänner 2014 seien bereits über 130.000 Flüchtlinge eingetroffen, berichtete der römische Bürgermeister Ignazio Marino nach Gesprächen mit Politikern des Innenministeriums am gestrigen Mittwoch.

Die Flüchtlingswelle, mit der Italien zurzeit konfrontiert ist, sei wesentlich größer als jene zur Zeit des Arabischen Frühlings 2011. Im Jahr 2011 waren 60.000 Migranten in Italien eingetroffen, berichtete Marino.

"Frontex Plus" als nächster Schritt

Zur Unterstützung Italiens beim Umgang mit den Mittelmeer-Flüchtlingen will die EU eine neue Grenzschutzmission in die Wege leiten. Die Operation "Frontex Plus" unter dem Dach der EU-Grenzschutzagentur Frontex soll die italienische Kontroll- und Rettungsmission "Mare Nostrum" ablösen. Allerdings sind sowohl die Finanzierung als auch der Umfang der Mission noch unklar. Damit Frontex-Missionen zustande kommen, müssen die EU-Staaten Material und Personal stellen. (APA, 25.9.2014)

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